Cover & Klappentext
Das Cover ist ein wahrer Blickfang. Die Details, insbesondere die abgebildeten Blumen, finden sich in der Story wieder. Die vielen Farben assoziieren in erster Linie positive Gefühle, obwohl der Handlung eine gewisse Schwere anhaftet, trotzdem passt es, weil die Hauptprotagonistin sich nicht unterkriegen lässt und immer ein wenig Hoffnung mitschwingt.
Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, nicht zuletzt die Mischung aus Aschenputtel kombiniert mit chinesischer Mythologie hat mich sehr angesprochen. Zudem ist die Autorin für mich keine Unbekannte, weshalb ich unmöglich widerstehen konnte.
Meinung
Nach dem Tod ihres geliebten Onkels ist Yining nur ihre verhasste Stieftante geblieben, die sie für ihre Zwecke ausnutzt. Einzig ein einfacher aber geheimnisvoller Ring verbindet sie mit ihren richtigen Eltern. Als ihre Tante ihr diesen nimmt, setzt Yining alles daran, ihn zurückzuerlangen. Im königlichen Palast gerät dieser in die Hände des Prinzen, der Gefallen an der jungen Frau findet. Doch so schön die Oberfläche auch wirkt, Yining erkennt bald, das der Glanz trügt, denn hinter den königlichen Mauern lauern Verrat, Lug und Trug.
Ausgerechnet der Absandte des Nachbarkönigreichs erweist sich als Verbündeter. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen, auch wenn sie sich in seiner Gegenwart noch nie sicherer gefühlt hat?
Aus der Sicht von Yining wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg gelingt spielend leicht, schon allein weil der Schreibstil ein Traum ist. Geschmeidig fließt man geradezu durch die Zeilen und genießt die Wortwahl sowie die tolle Übersetzung. Dabei setzt die Autorin auf schöne Beschreibungen und lässt so Bilder im Kopf entstehen, die den Leser in eine andere Welt entführen, die zwar für die Hauptprotagonistin eher von Armut und Durchhaltevermögen geprägt ist, aber dennoch bunt wirkt. Das ist oft typisch für Bücher, denen die chinesische Mythologie zugrunde liegt. Dieser vermeintliche Widerspruch ist wahnsinnig gut gelungen. Zwischen Verzweiflung kommt immer wieder Hoffnung auf. Bedingt durch eine Hauptprotagonistin, die sich nicht unterkriegen lässt.
Yining ist sehr detailreich gezeichnet. An ihre Eltern kann sie sich nicht erinnern. Einzig ein einfacher Ring ist ihr von ihnen geblieben. Trotzdem war sie glücklich, als ihre Tante und ihr Onkel noch lebten, denn sie wurde geliebt. Nachdem ihre Tante starb, nahm ihr Onkel sich eine neue Frau, die sich um Yining kümmerte, als dieser in den Minen ums Leben kam. Aber nicht aus Zuneigung heraus, sondern um ihre Gier zu befriedigen. So wurde Yining zu einer begnadeten Diebin und ausgezeichneten Lügnerin.
Ihre Fertigkeiten halfen ihr zu überleben, auch wenn sie einsam war. Das änderte sich auch nicht am Palast des Prinzen. Im Prinzip hat sie ein Gefängnis gegen ein anderes eingetauscht.
Allein ihr Dasein vermitteln die Aschenputtel-Vibes, die angesprochen wurden. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ohne Vorgabe wohl nicht darauf gekommen wäre.
Neben Yining stehen der Prinz und der Abgesandte Jin im Fokus. Sie lassen sich nur schwer einschätzen, sodass ich meine vorgefasste Meinung bei beiden überdenken musste. Mehrfach. Zum Teil habe ich vermutet, dass es in diese Richtung gehen würde, war mir jedoch nicht sicher. Und genau das zieht sich durch die gesamte Geschichte. Zwischendurch ist nichts so, wie es scheint. Trotzdem ergibt es letztendlich Sinn.
Es sind die leisen Töne, die zwischen dem Offensichtlichen die Hinweise geben. Die wurden so toll eingearbeitet, dass man sie leicht übersehen beziehungsweise überhören kann. Sehr geschickt.
Im weiteren Verlauf zeigt Yining, was noch alles in ihr steckt, und büßt nichts von ihrer Präsenz ein. Das kann ich vom Prinz der Eisenberge nicht behaupten. Allerdings stört das nicht weiter. Jin bringt sich dafür mehr in den Vordergrund, sodass sich eine Art unterschwellige Dreiecksgeschichte entwickelt. Wer aber jetzt auf ausufernde Romantik hofft, den muss ich enttäuschen. Slow-Burn-Romance ist hier ernst zu nehmen.
Das Tempo erinnert mehr an einen plätschernden Bach als an einen reißenden Strom, jedoch ohne Längen zu entwickeln. Dennoch kommt die Spannung nicht zu kurz, ganz im Gegenteil. Und dank der vielen Details und diversen Besonderheiten versinkt man geradezu in den Seiten. Die Geschichte versöhnt gewissermaßen, sogar das Ende, trotzdem fiebere ich der Fortsetzung entgegen.
Fazit
Ein Ausnahmewerk mit Highlight-Präferenz. Die Autorin brilliert hier mit einem fantastischen Schreibstil, einer starken Heldin, die trotzdem vielschichtig ist, und einer komplexen Welt, die diverse Gegensätze miteinander vereint.
Ich vergebe viereinhalb Sterne, die ich auf fünf aufrunde, und eine klare Leseempfehlung.