Start eine neuen Krimi-Reihe
Mit diesem Schottland-Krimi eröffnet Sybille Baecker nach ihrer Schwaben-Krimi-Reihe mit Kommissar Brander eine neue Reihe. Im Mittelpunkt steht die Familie Keith aus Caithness, Vater Douglas, Tochter Grace, die Dorfpolizistin und Marley, der Fassbinder, der die Schaffarm des Vater nicht übernehmen will. Deshalb liegen die beiden im Streit miteinander. Als dann mehrere Schafe brutal getötet werden, die Scheune der Farm in Flammen aufgeht, Douglas dabei verletzt wird, und wenig später Conor, der Saufkopf und Landarbeiter, erstochen aufgefunden wird, gerät Marley unter Verdacht. Zum einem bei Kenny Cambell, Grace's Vorgesetzten und zum anderen bei Douglas, weil er glaubt, Marley will das Grundstück verkaufen, wie Conor es ihm immer wieder vorsagt. Der geneigte Leser wird schon bemerken, dass hier ganz andere Mächte im Spiel sind. Beinahe gleichzeitig kommt mit Alison, einer Freundin der Familie McKeith und Privatermittlerin, die die eigenartigen Vorfälle abseits der polizeilichen Regeln untersuchen soll, auch die junge Kimberly an die nördliche Küste Schottland und bringt Unruhe in den Ort. Weder die Ortsbewohner noch die Leser erfahren zunächst nichts über sie, außer, dass sie sich verstecken will. Warum und wieso, müsst ihr schon selbst lesen. Meine Meinung: Dieser Reihen-Auftakt ist zunächst kein klassischer Krimi (wenn man von den massakrierten Schafen absieht) sondern eher ein Sittenbild eines kleines Dorfes, in dem die Machos nicht ausgestorben sind, und viele Männer glauben, alle Frauen haben nur auf die rohe, virile Kraft gewartet. Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Mit Douglas McKeith muss man fast ein wenig Mitleid haben. Er ist vor Jahren von seiner Frau verlassen worden und frisst Trauer, Schmerz und Wut ins sich hinein. Zudem leidet er darunter, dass keines seiner Kinder die Schaffarm übernehmen will, die seit Menschengedenken in Familienbesitz. In seinem Gefühlschaos merkt er nicht, dass Conor, der seine Frau regelmäßig verprügelt, ihn manipuliert. Auch die anderen Charaktere wie Marley sowie vor allem die Frauen wie Alison oder die Pub-Besitzerinnen und Kimberly sind mehrschichtig angelegt. Und ja, Kimberly wird eine ungeahnte Wendung ihres Lebens erleben. Sybille Baecker hat ein Faible für Schottland und das "uisge beatha", das Wasser des Lebens, wie wir schon aus den Brander-Krimis kennen. Fazit: Mir hat dieser Reihenauftakt sehr gut gefallen, weshalb er gleich 5 Sterne erhält. Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen.