Ein Sommer wird heißer als der andere, das Klima frisst die Ernten auf und die Insekten verschwinden, während die Familie Cullen versucht, ihr Leben weiterzuleben. Die Eltern schlagen sich mit kalifornischen Waldbränden herum, ihr Sohn jagt den letzten Insekten hinterher und ihre Tochter lebt ein mehr oder minder traumhaftes Leben an der Küste Floridas. Sie versuchen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, während die Welt jeden Tag mehr auf eine Katastrophe zu schlittert¿ Mit seinem zynischen Nahe Zukunft Klimaroman ¿Blue Skies¿ nimmt uns T.C. Boyle mit in eine Welt, die unserer mittlerweile gar nicht mehr so unähnlich ist. Hitze, Dürre, Wetterextreme und Mangel sind an der Tagesordnung, werden das neue Normal, während die Menschen versuchen, sich ihre Realität schönzureden oder sie zu ignorieren. In dieser Lebenswirklichkeit folgen wir den Mitgliedern der Familie Cullen, abwechselnd der Mutter Ottilie, ihrem Sohn Cooper und ihrer Tochter Cat. Alle drei zeichnen sich nicht gerade durch uneingeschränkte Freundlichkeit und Menschlichkeit aus. Der Autor zeigt hier Menschen nicht von ihrer besten Seite, sondern von der, die zugelassen hat, dass es überhaupt so weit kommt. Während draußen die Welt untergeht, wird noch fleißig Champagner gebechert, damit die Apokalypse aushaltbar bleibt. Ottilie meint, sie leiste einen ausreichend großen Beitrag, wenn sie Grillen zum Verzehr in ihrer Küche züchtet, ihr Sohn Cooper ist zwar ein engagierter Biologe, der jedoch mehr als alles andere in Selbstmitleid versinkt und Cat ist die schlimmste von allen, weil ihr die Welt wohl kaum egaler sein könnte. Doch im Lauf dieser unangenehmen, unwirtlichen Geschichte kommen alle drei nicht umhin, die Wirklichkeit, in der sie leben, anzuerkennen. Sie lernen allerdings nichts aus ihren Fehlern, stattdessen bechern sie munter weiter und tun so, als würde schon wieder alles gut werden. ¿Blue Skies¿ ist kein motivierendes Buch, eher ein einschüchterndes, das in seinen Hintergründen gut recherchiert und deshalb auch ziemlich beängstigend ist, aber nur wenig Hoffnung spendet. Vermutlich war das auch nicht das Anliegen des Autors, eher wollte er seine Leser kurz angebunden mit der Nase voran in das Problem der Menschheit tunken: Dass wir immer noch nicht genug bekommen können, obwohl es schon beinahe zu spät ist, dass wir gar nicht umkehren wollen, auch wenn wir es vielleicht könnten, weil es ja doch sehr unbequem wäre, auf das eine oder andere zu verzichten. In diesem Ton vergeht das ganze Buch, das immerhin fast sieben Jahre Handlungszeitraum umfasst, eine Zeit, in der eine Katastrophe die nächste jagt, in der der Autor die unangenehme, drückende Atmosphäre konstant gleich bleiben lässt und immer wieder alle Ereignisse vorwegnimmt, sodass man sich als Leser im Angesicht der nächsten Katastrophe schon lange Seiten vorher unwohl fühlt. So bleibt es dann auch bis zum Schluss, man muss den Charakteren dabei zusehen, wie sie kaum dazulernen, sich praktisch weiter ihr eigenes Grab schaufeln. Der Autor vermittelt seine Botschaft äußerst eindringlich, sein Buch ist allerdings auch häufig äußerst abstoßend und maßgeblich geprägt von unfassbarem Alkoholkonsum und so bleibt, bis auf einen äußerst zwiespältigen, zynischen ¿Hoffnungsschimmer¿ am Ende vor allem eine Menge Trostlosigkeit als Leseeindruck zurück.