Wir kehren zurück auf die Insel Marsyas, inmitten des azurblauen Ozeans. Hier haben sich Arthur Parnassus, Linus Baker und ihre magisch begabten Kinder mittlerweile ein gemeinsames Zuhause geschaffen, das wir bereits im ersten Band kennenlernen und lieben durften. Doch das friedliche Inselleben gerät ins Wanken, als Arthurs Vergangenheit an die Öffentlichkeit zu kommen droht. Neue Besucher, alte Geheimnisse und erneute Konflikte mit dem Upper Management stellen die ungewöhnliche Familie vor Herausforderungen, denen sie sich gemeinsam stellen muss.Ich habe den ersten Band, Mr. Parnassus¿ Heim für magisch Begabte, unglaublich geliebt. Für mich war er ein absolutes Fünf-Sterne-Buch und eines meiner Jahreshighlights. Besonders die warme, liebevolle Erzählweise, Linus¿ persönliche Entwicklung und natürlich die vielen wundervollen Bewohner der Insel haben sich damals direkt in mein Herz geschlichen. Dementsprechend groß war meine Freude, noch einmal in diese Welt zurückkehren zu dürfen.Und was soll ich sagen? Auch der zweite Band hat mich wieder rundum begeistert!TJ Klunes Schreibstil ist genauso flüssig, bildhaft und voller Wärme wie im Vorgänger. Sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung lässt sich die Geschichte wunderbar lesen. Ich hatte die Insel, ihre Bewohner und die unterschiedlichsten magischen Fähigkeiten immer wieder lebhaft vor Augen. Sämtliche Figuren sind mit so viel Liebe und Persönlichkeit gezeichnet, dass es sich tatsächlich ein bisschen wie ein Wiedersehen mit alten Freunden anfühlt.Besonders die Dialoge haben es mir erneut angetan. Allen voran Lucy, unser liebenswerter kleiner Antichrist, und seine Geschwister haben mich immer wieder herzlich zum Lachen gebracht. Klune schafft es auf eine ganz besondere Weise, diesen kindlichen, unvoreingenommenen und neugierigen Blick auf die Welt einzufangen. Eine Perspektive, die noch nicht von gesellschaftlichen Vorurteilen geprägt ist und gerade dadurch so viele vermeintliche Selbstverständlichkeiten hinterfragt. Das ist mal urkomisch, mal unglaublich berührend und manchmal beides gleichzeitig.Im Vergleich zum ersten Band empfand ich die Fortsetzung sogar als deutlich spannungsreicher. Einige Entwicklungen und Wendungen haben mich ordentlich auf Trab gehalten, und gerade um die mittlerweile so liebgewonnenen magischen Kinder habe ich zwischenzeitlich wirklich gebangt. Teilweise hatte ich bis weit in die zweite Hälfte hinein keine Ahnung, wie sich die verschiedenen Konflikte überhaupt noch auflösen lassen sollten. Umso schöner fand ich, wie gelungen Klune die unterschiedlichen Handlungsstränge schließlich zusammenführt.Besonders interessant war für mich außerdem, dass wir diesmal viel tiefer in Arthurs Vergangenheit eintauchen dürfen. Wir erfahren mehr über seine Kindheit, seine eigenen Erfahrungen als magisches Wesen und darüber, wie diese seine Haltung gegenüber den Kindern und seine Art, sie zu begleiten und zu erziehen, geprägt haben. Auch die Welt außerhalb der Insel, insbesondere der angrenzende Ort, bekommt mehr Raum, wodurch sich das gesamte Universum noch einmal ein Stück erweitert.Was ich an TJ Klunes Büchern allerdings ganz besonders liebe, ist die Verbindung aus wundervoller Unterhaltung und einer klaren gesellschaftlichen Haltung. Hinter der magischen Geschichte stecken so viele wichtige Fragen darüber, wie wir miteinander umgehen, wen wir als anders betrachten und was es eigentlich bedeutet, tolerant zu sein. Die Ausgrenzung magischer Wesen, die in dieser Welt häufig als Fehler oder Gefahr angesehen werden, funktioniert dabei als unglaublich starke Metapher für Vorurteile, Diskriminierung und gesellschaftliche Machtstrukturen.Klune vermittelt seine Werte dabei nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch die vielen tiefgründigen Dialoge und Zitate, die immer wieder zum Nachdenken anregen. Gerade diese Mischung aus Humor, Herzlichkeit und gesellschaftlicher Reflexion finde ich unglaublich wertvoll. Auch seine persönliche Haltung, die er in seinen Nachwörtern immer wieder deutlich macht, schätze ich sehr.Für mich ist Jenseits des Ozeans deshalb nicht nur eine wunderschöne, magische Wohlfühlgeschichte, sondern auch ein Buch mit einer wichtigen Botschaft über Zugehörigkeit, Akzeptanz, Familie und den Mut, für andere einzustehen.Ich würde definitiv empfehlen, zuerst den ersten Band zu lesen, denn gerade die emotionale Bindung zu den Figuren macht diese Fortsetzung so besonders. Wer Mr. Parnassus¿ Heim für magisch Begabte bereits geliebt hat, wird hier meiner Meinung nach wieder ganz viel Freude finden.Eine rundum gelungene Fortsetzung, die mich zum Lachen gebracht, berührt, mitfiebern und nachdenken lassen hat. Ich kann beide Bücher wirklich nur wärmstens empfehlen und hoffe sehr, dass wir eines Tages noch einmal auf die Insel Marsyas zurückkehren dürfen. Ich wäre jedenfalls sofort wieder dabei!