Eine sehr gut gelungene Fortsetzung des ersten Bandes, bin begeistert.
Wir befinden uns im April 1945 in Berlin. Die letzten Kriegstage sind zugange und für die Menschen in Berlin wird es dunkler und dunkler. Tage und Nächte müssen sie in den Schutzbunkern verharren, während sich die alliierten Mächte durch die Straßen Berlins kämpfen. Besonders für Frauen, Kinder und die Alten und Kranken sind diese Tage am schlimmsten und am gefährlichsten und dann gibt es auch noch die, die an den Endsieg glauben und die sich für völlig unschuldig halten. Alice Hardtleben befindet sich mit ihren Nachbarn in einem solchen Bunker und harrt mit ihren Nachbarn der Dinge die da kommen. Alice hat im Krieg an der Front als Hilfskrankenschwester gearbeitet, nachdem die Nazis ihre geliebte Bahnhofsmission geschlossen und verboten haben aufgrund ihrer abstrusen Ideologie. Sie hat ihren Traum als unabhängig lebende Frau verwirklicht, hat studiert und promoviert, was Anfang des 20. Jahrhunderts für Frauen immer noch nicht selbstverständlich war, doch was nützt es nun, da ganz Berlin und das deutsche Reich in Schutt und Asche versinken. Ihr alter Idealismus lebt immer noch in ihrem Herzen und sie ist fest entschlossen, ihre Menschlichkeit und ihr Engagement für die Schwachen und Kranken, schlicht für jeden Menschen sich zu bewahren, egal wie dunkel und unmenschlich die Zeit geworden ist. Daher beschließt sie auch, den Schlesischen Bahnhof aufzusuchen und die Bahnhofsmission wieder aufzubauen, denn täglich kommen völlig überfüllte Züge mit flüchtenden und ausgemergelten Menschen an, die Hilfe brauchen. Mit ihrer gerade Art beschließt sie die Widerstände zu überwinden und findet überraschend Gunst bei einem russischen Oberst, der sich ebenfalls bemüht in diesem Kriegsgrauen und den anarchisch anmutenden Zuständen in Berlin nachdem der Krieg beendet wurde, sich seine Menschlichkeit zu bewahren. Auch Martha, eine alte Mitstreiterin von damals trifft sie bei dem nun zuständigen Pfarrer der Bahnhofsmission, der nach einiger Überredungskunst auch sehr bemüht ist, seine Unterstützung anzubieten und zu beweisen, dass er ja auch eine wahrer Menschenfreund ist, der noch nie ein Parteibuch gesehen hat. Ebenso begegnen wir Greta, die ein ehemaliger Schützling der Bahnhofsmission war und in der Vergangenheit viele falsche Entscheidungen getroffen hat, deren harte Konsequenzen sie nun bewältigen muss. Doch die Aussicht, die Bahnhofsmission wieder aufzubauen, mobilisiert in den Frauen Kräfte, die sich der Leser nach diesen schweren Jahren kaum vorstellen kann. Weiter begegnen wir einer dritten Freundin und Mitstreiterin aus der Bahnhofsmission, Natalie. Sie ist damals auf mysteriöse Art und Weise verschwunden und Alice hat das Verschwinden der Freundin niemals verwunden. Es hat eine tiefe Verletzung in ihrem Herzen hinterlassen. Natalie hat über 30 Jahre in den USA gelebt, wohlhabend verheiratet und nun endlich kann sie wieder in ihre alte Heimat reisen. Sie kommt aus einem ganz bestimmten Grund, den sie jedoch nicht verraten möchte, schon gar nicht ihrer eigensinnigen und willensstarken Tochter Claire, die ihre Mutter ungefragt auf diese Reise begleitet. Die Begegnung zwischen Alice und Natalie ist auf eine ganz besondere Art und Weise beschrieben und auch die Begegnung von Claire mit der Stadt der Nazis und den Menschen, die dort leben und die es wert sind einmal näher betrachtet und kennengelernt zu werden.Das Aufbauen der Bahnhofsmission bringt die Frauen und die Menschen allgemein wieder näher zusammen. Es zeigt sich, wie gut es tut anderen Menschen zu helfen, auch wenn es in dieser zerstörten Stadt weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt. Es gibt allen wieder einen Sinn im Leben, wo doch für viele alles sinnlos geworden ist. Jedoch erleben wir auch, dass sorgsam gehütete Geheimnisse ans Licht kommen und das nicht jeder der ist, der er zu sein vorgibt. Denn auch der kompetente Arzt, der sich den mutigen Frauen anbietet zu helfen und für viele wie ein Engel des Lichts wirkt ist doch in Wahrheit eher der Dunkelheit verbunden....Veronika Rusch hat einen ganz wunderbaren zweiten Teil der Geschichte der Bahnhofsmission geschrieben und es geschafft, den Leser mit hinein in diese gefährlichen und hoffnungslosen Tage mit hinein zunehmen im April 1945. Gerade für Frauen war auch diese Zeit ganz besonders schwer und gefährlich und es war dennoch so schön zu lesen, wie mutig sich Menschen für andere Menschen einsetzen und sich ihre Werte nicht nehmen lassen, wie wahre Freundschaft dennoch überdauern kann, auch wenn erhebliche Verletzungen da sind und wie jeder in der Hoffnungslosigkeit ein Licht sein kann, wenn er sich nur dazu entscheidet.Absolut lesenswert!