Ein liebevolles Buch, das Kinder stärkt und Erwachsene zum Reflektieren anregt ¿ über Mitbestimmung und respektvolle Kommunikation.
"Ups, ich darf auch Nein sagen" ist ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das mit viel Feingefühl und Achtsamkeit an die Themen Selbstbestimmung und das selbstbewusste Setzen eigener Grenzen herangeht. Schon beim ersten Durchblättern fallen die kleinen, liebevollen Illustrationen auf, die das Lesen und Anschauen für Kinder spielerisch und angenehm machen. Doch das Buch richtet sich nicht nur an Kinder, auch Erwachsene, Eltern und pädagogische Fachpersonen werden immer wieder eingeladen, mitzudenken, zu reflektieren und neue Blickwinkel einzunehmen.Was mir besonders gut gefallen hat, sind die vielen Fragen, die im Buch gestellt werden. Sie regen nicht nur die Kinder dazu an, über Gefühle, Situationen und Grenzen nachzudenken, sondern auch uns Erwachsene, unser eigenes Erlebtes und Verhalten zu hinterfragen. Gerade diese Reflexionsfragen sind für mich das absolute Highlight, sie eröffnen Gespräche auf Augenhöhe und bringen neue Ideen in den pädagogischen Alltag.Die Geschichte von den dreisten Möbelpackern und Janniks Getobe hat mich besonders berührt. Sie zeigt sehr eindrücklich, wie Erwachsene manchmal über Kinder hinweg sprechen, anstatt mit ihnen zu reden. Das Beispiel verdeutlicht auf einfache, aber wirkungsvolle Weise, wie verletzend das sein kann und wie wichtig es ist, Kinder in Gespräche einzubeziehen. Besonders schön finde ich, wie die Familie in der Geschichte mit der Situation umgeht, mit Geduld, Verständnis und ehrlichem Interesse.Ein Satz, der mir im Buch besonders im Gedächtnis geblieben ist, lautet: "Leider gibt es immer noch viele Erwachsene, die denken, mit Kindern müsse man nicht so höflich sprechen wie mit großen Leuten." Dieser Satz bringt für mich die Grundhaltung des Buches auf den Punkt. Kinder verdienen denselben Respekt und dieselbe Wertschätzung wie Erwachsene, und sie lernen durch unser Vorbild, wie respektvolle Kommunikation aussieht.Sehr spannend fand ich auch das Kapitel zur Mitbestimmung zu Hause. Die vorgestellten Ideen wie Familienkonferenzen oder Bestimmerwechseltage sind tolle Impulse, um Kinder aktiv in Entscheidungen einzubeziehen. Solche Ansätze zeigen, dass Mitbestimmung nicht nur im Kitaalltag, sondern auch im familiären Umfeld möglich und wichtig ist. Ich nehme viele dieser Gedanken auch für meine Arbeit mit, weil sie wunderbar in den pädagogischen Alltag übertragbar sind.Die Struktur des Buches mit klar gegliederten Kapiteln macht das Lesen angenehm und übersichtlich. Auch der Abschluss, in dem Mut geübt und über das Gelesene gesprochen wird, hat mir sehr gefallen. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Theorie und Praxis kindgerecht verbinden lassen.Für mich ist "Ups, ich darf auch Nein sagen" ein Buch, das ich wirklich jeder Familie mit Kindern im Alter von etwa vier bis sechs Jahren empfehlen würde. Gerade in diesem Alter beginnen Kinder, ihre Autonomie stärker zu spüren und eigene Grenzen zu setzen. Wenn man schon früh beginnt, über Gefühle, Selbstbestimmung und Kommunikation zu sprechen, können diese Themen nachhaltig verinnerlicht werden.Auch in meiner Arbeit mit Kleinkindern merke ich immer wieder, wie wichtig es ist, den Kindern und auch den Erwachsenen zu erklären, warum man etwas so oder anders macht. Nur so können Kinder lernen, Entscheidungen zu verstehen und Kompromisse mitzugestalten. Das Buch greift genau das auf, die vorgestellten Beispiele und Kompromisse sind realitätsnah, nachvollziehbar und mit viel Herz geschrieben.Ein wertvolles Buch, das nicht nur Kinder stärkt, sondern auch Erwachsene dazu anregt, ihr eigenes Verhalten liebevoll zu überdenken.