B5 aktuell / BR2 Diwan: Hörbuch der Woche (27.09.2019)
[...] Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich seit damals weitgehend geändert, die Strategien radikal rechter Politik eher nicht, wie sie Adorno schon 1967 [...] analysierte.
[...] Das Verblüffende an diesem Vortrag von Adorno ist, wie viele der von ihm anhand der NPD beschriebenen Phänomene auch auf die AfD zutreffen: Die Benutzung von Feindbildern etwa in den 60er Jahren waren es die Kommunisten, heute sind es alle, die einem Milieu angehören, das der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen rot-grün versifft nennt. Oder die damals wie heute zu beobachtende Tendenz, sich über Humanität und Moral zu mokieren. Auch zu der vieldiskutierten Frage, wie man mit rechtsradikalen Parteien umgehen solle, hat Adorno eine klare Meinung.
[...] Obwohl von Adornos 1967 gehaltenem Vortrag ein Mitschnitt existiert, hat Axel Wostry die Abschrift des Vortrags neu eingesprochen. Ohne große Emotion, aber sehr klar im Duktus stellt Wostry so die Mündlichkeit des Adorno-Textes wieder her, betont aber durch seine eher distanzierte Sprechhaltung auch die zeitliche Distanz.[...]
hr2-Hörbuchbestenliste 11/2019:
Angesichts der jüngsten Attentate durch Rechtsradikale und wachsendem Antisemitismus erscheint
der Vortrag des Philosophen und Soziologen Adorno erschreckend aktuell, obwohl er doch vor über
fünfzig Jahren gehalten wurde. Was sich darin auf historische Verhältnisse bezieht, und was heute
mehr denn je Gültigkeit hat, beleuchtet Volker Weiß in seinem klugen Nachwort. Axel Wostrys
Lesung reißt auch jene mit, die sonst vor der Komplexität von Adornos Sprache eher zurückschrecken.