VIELE KÖCHE VERDERBEN DEN BREI - NICHT!New York im April 2020. Während des ersten Lockdowns wird das Dach ihres Mietshauses für die Bewohner zur überraschenden Zuflucht vor der Isolation. Jeden Abend treffen sie sich dort und erzählen einander ihre ungewöhnlichen, spannenden, komischen und bewegenden Geschichten. Jeder Mieter und jede Mieterin steuert eine bei (wahr oder zumindest gut erfunden), und ein neues Decamerone für unsere Zeit nimmt seinen Anfang. Allmählich findet die Runde zu einer unerwarteten Gemeinschaft und Anteilnahme füreinander... Ein einzigartiges Romanprojekt, das 36 der hochkarätigsten Autorinnen und Autoren der US-Gegenwartsliteratur versammelt - von Margaret Atwood bis Silvia Day, von Celeste Ng bis John Grisham. (Verlagsbeschreibung)Dieses Buch ist keine Anthologie, obschon hieran 36 US-amerikanische Autor:innen mitwirkten, sondern tatsächlich ein homogener Roman, was daran liegt, dass die durchaus grundverschiedenen Geschichten in eine überzeugende Rahmenhandlung eingebettet wurden. Diese Rahmenhandlung ist gleichzeitig auch der Anlass, aus dem dieses ehrgeizige Projekt entstanden ist: ein Lockdown zur Coronazeit in New York.Ein ziemlich abgeranztes Mietshaus in einer weniger luxuriösen Gegend von NY ist der Schauplatz des Geschehens, genauer gesagt: das Dach des Hauses. Erst entdeckt die Hausmeisterin die Zufluchtsmöglichkeit, dann gesellen sich Abend für Abend immer mehr Hausbewohner:innen hinzu. Erst wird geklatscht und gejohlt als Zeichen der Unterstützung für die nimmermüden Hilfskräfte der Stadt, die im Kampf gegen die Pandemie tagtäglich alles geben, später werden Geschichten erzählt, alles unter Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands. Nach einer Stunde und mit dem Glockenläuten der nahegelegenen Kirche zerstreuen sich alle und gehen in ihre Wohnungen zurück. Doch am nächsten Abend treffen sich alle wieder...Wie nicht anders zu erwarten, sind die erzählten Geschichten sehr unterschiedlich, und es gibt keinen konkreten Hinweis darauf, wer die einzelnen Erzählungen verfasst hat (zumindest in der Hörbuchversion). Die verschiedenen Erzählweisen und Inhalte der Geschichten stoßen aber keineswegs auf, da sich auf dem Dach auch höchst unterschiedliche Menschen versammeln. Themen wie Familie, Freundschaft, Tod, Liebe, Traumata, kulturspezifische Hintergründe (lateinamerikanisch, chinesisch, afroamerikanisch), viele Geistergeschichten, Verbrechen, Lügen, Schuldgefühle, Gesellschaftskritik u.a.m. sind Gegenstand der Erzählungen.Die Rahmenhandlung wird aus der Ich-Perspektive der Hausmeisterin erzählt, die erst seit kurzem in dem Hochhaus arbeitet und die tagelang versucht, das Heim zu erreichen, in dem ihr demenzkranker Vater liegt. Sie macht sich große Sorgen und ist wütend darüber, dass in dem Heim niemand ans Telefon geht - und Besuchskontakte sind bekanntlich verboten. Die Hausmeisterin liest in den Notizen ihres Vorgängers und weiß daher einiges über die Menschen, die abends auf dem Dach erscheinen. Und sie bedient sich allabendlich an den reichhaltigen Alkoholvorräten des vorherigen Hausmeisters, denn so lassen sich die Sorgen etwas dämpfen. Heimlich nimmt sie die Geschichten auf dem Dach mit ihrem Handy auf und notiert sie anschließend in ihrer Hausmeisterwohnung. So kommt eine ganz schöne Sammlung zustande...Auch wenn mich nicht jede der Geschichten fesseln konnte und es vereinzelte für mich auch gar nicht hätte geben müssen, hat mich das Konzept insgesamt überzeugt. Das Ende war dann sehr überraschend - und unerwartet berührend. Und setzt hinter den vierten Stern noch ein Ausrufezeichen!Die ungekürzte Hörbuchversion (15 Stunden und 29 Minuten) wird versiert gelesen von Simone Kabst. Ein Loblied auf das Leben, die Menschlichkeit und die Gemeinschaft - gerade auch angesichts des allgegenwärtigen drohenden Todes.© Parden