Manchmal sollte man einfach auf die eigene Intuition hören. Bei Milchgeld, dem ersten Fall von Kommissar Kluftinger, hätte ich das vermutlich tun sollen; denn obwohl das Hörbuch mit knapp vier Stunden vergleichsweise kurz ist, wollte der Funke bei mir überhaupt nicht überspringen.
Dabei ist die Ausgangslage eigentlich vielversprechend: Im Allgäuer Heimatort Altusried wird der Lebensmittelchemiker des örtlichen Milchwerks ermordet. Kommissar Kluftinger ermittelt und stößt dabei hinter der beschaulichen Fassade des Ortes auf einen vergessenen Verrat, dunkle Machenschaften und einen Skandal. Die Mischung aus regionalem Krimi, dörflicher Idylle und kauzigem Ermittler dürfte vor allem Fans von Reihen wie den Eberhofer-Krimis von Rita Falk bekannt vorkommen.
Meine Meinung
Genau hier lag für mich allerdings auch ein Problem. Vieles wirkte auf mich sehr klischeehaft: die vermeintlich beschauliche Heimat, der eigenwillige Kommissar, die regionale Prägung und die daraus entstehende Situationskomik. Was vermutlich bewusst als humorvoll und liebenswert-kantig angelegt ist, hat bei mir eher den Eindruck verstärkt, dass ich nicht die richtige Zielgruppe für diesen Auftakt bin.
Noch stärker ins Gewicht fiel für mich allerdings die Hörbuchumsetzung. Gesprochen wird die gekürzte Fassung von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Grundsätzlich finde ich es interessant, wenn Autor*innen ihre Figuren selbst zum Leben erwecken. Hier hat die Inszenierung meinen Hörfluss jedoch eher gestört als unterstützt. Besonders irritierend war für mich, dass die Sprecher teilweise mit bayrischem, dann wieder mit schwäbischem Dialekt daherkamen.
Dadurch stellte sich für mich beim Hören irgendwann nicht mehr die Frage, wer gerade spricht, weil die Stimmen klar unterscheidbar gewesen wären, sondern eher, nach welchem Muster überhaupt zwischen den Sprecher gewechselt wird. War leider auch nicht anhand der Charaktere zu erkennen. Diese Unsicherheit hat mich immer wieder aus der Geschichte herausgebracht. Bei einem Hörbuch ist das für mich besonders problematisch, weil die Stimmen und ihre Gestaltung wesentlich dazu beitragen, wie ich Figuren wahrnehme und einer Handlung folge.
Vielleicht funktioniert Milchgeld gerade deshalb besser für Leser*innen, die mit der Kluftinger-Reihe bereits vertraut sind, das Buch physisch lesen oder einen sehr regional geprägten, humorvollen Krimi suchen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die kauzige Art des Kommissars und die Allgäuer Atmosphäre für Fans genau den Reiz ausmachen, den ich hier vermisst habe.
Fazit
Für mich persönlich hat aber weder der Kriminalfall noch die humoristische Seite ausreichend funktioniert, um über die genannten Schwächen hinwegzutragen. Besonders beim Hörbuch wurde die Inszenierung für mich eher zur zusätzlichen Hürde. Deshalb ist Milchgeld letztlich ein Krimi, bei dem ich sagen würde: wahrscheinlich einfach nicht mein Fall und manchmal lohnt es sich eben doch, auf die eigene erste Intuition zu hören.