Dieses Buch reiht sich ein in die typische Schreibart von Regener - toll!
Der 7. Lehmann-Roman spielt in West-Berlin am Tag vor Weihnachten und es geht um eine Odyssee quer durch die Stadt auf der Suche nach Freddies verschwundener Tasche. Freddie ist der ältere Bruder von Frank, hier Frankie genannt, und kommt gerade aus einer Medikamenten-Studie mit Antidepressiva zurück. Seine Tasche, inkl. Reisepass - denn er will nach Amerika - und anderem wichtigen Zeugs, hat er jedoch im Hotel vergessen. Und hier beginnt die Reise durch Berlin.Wer hier einen spannenden Plot erwartet, wird enttäuscht. Wobei, nein. Die Dynamik zwischen den Figuren, durch die typische Schreibart Sven Regeners unterstützt, enttäuscht definitiv nicht. Irgendwie ist es spannend - anders spannend eben. Im Zentrum stehen Dialoge um banale Dinge, was den Beteiligten eben so durch den Kopf geht und sie gerade beschäftigt. Gespickt sind diese mit einer Prise lakonischen Humors: trockene Witze und skurrile Situationskomik haben mir so manches Grinsen ins Gesicht gezaubert. Und wer vorher schonmal Sven Regener gelesen hat (Wiener Strasse, Neue Vahr Süd, ...), kennt auch die Aneinanderreihung von Nebensatz an Nebensatz, schier nicht enden wollende Sätze. Hier bleibt sich der Autor treu.Mir hat vor allem der Umgang von Frankie und Freddie miteinander gefallen, wie es zwischen Geschwistern so ist, trocken, ehrlich und es wird sich auch mal einer vor den Latz gehauen. Und ganz am Rande gibt es ja auch ein ganz klein bisschen Romantik.Als Themen stehen vor allem die Beziehung zwischen den Brüdern, das Lebensgefühl in der geteilten Stadt kurz vor Weihnachten und die Frage danach, wo man eigentlich hingehört im Raum.Meiner Meinung nach ein typischer und gelungener Regener. Die Geschichte wirkt wie ein gutes Dahingeplapper eines Gedankenstroms.Und der Sprecher, in diesem Fall der Autor selbst, hat dies mit einer hervorragenden Leistung umgesetzt.