Als Juni nach dem Tod ihrer Großeltern in deren Haus auf einer kleinen norwegischen Insel zurückkehrt, stößt sie auf ein altes Foto. Darauf ist ihre Großmutter Tekla als junge Frau gemeinsam mit einem deutschen Soldaten zu sehen. Wer ist dieser Mann und welches Geheimnis hat Tekla ihr Leben lang mit sich getragen? Junis Suche nach Antworten führt zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und in das Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei wird nach und nach deutlich, wie stark die Erlebnisse einer Generation auch das Leben ihrer Kinder und Enkelkinder prägen können.Die Geschichte ist packend, mitreißend und stellenweise wirklich verstörend. Trude Teige erzählt von Krieg, Gewalt, Schuld und traumatischen Erfahrungen, verliert dabei jedoch niemals das Feingefühl für ihre Figuren. Gerade diese Verbindung aus historischen Ereignissen, einem lange gehüteten Familiengeheimnis und den persönlichen Schicksalen dreier Frauen hat mich emotional vollkommen abgeholt. Die Autorin beschönigt nichts, erzählt aber dennoch nicht reißerisch. Stattdessen zeigt sie eindrucksvoll, wie lange seelische Verletzungen nachwirken und wie sich Schweigen über Generationen hinweg fortsetzen kann.Für die Geschichte gibt es daher ganz klare fünf Sterne. Bei der Umsetzung als Hörbuch muss ich allerdings ein paar Abstriche machen. Die Stimme von Yara Blümel ist sicherlich Geschmackssache, aber ich musste mit ihr zunächst wirklich warm werden. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass auch die Sprecherin selbst erst noch in die Geschichte hineinfinden musste. Nach etwa dem ersten Viertel hatten wir uns dann aber beide eingegroovt und ab diesem Zeitpunkt konnte sie mich wesentlich stärker mitnehmen.Was das Hörbuch leider nicht besonders gut löst, sind die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Es gibt keinerlei hörbaren Hinweis, wenn die Zeitebene wechselt. Dadurch musste ich immer wieder kurz überlegen, bei welcher Figur und in welcher Zeit ich mich gerade befinde. Beim Lesen lässt sich das vermutlich deutlich schneller erkennen, beim Hören sorgte es jedoch unnötig für Verwirrung. Trotz dieser Schwächen in der Hörbuchumsetzung bleibt "Als Großmutter im Regen tanzte" für mich eine tief bewegende, erschütternde und zugleich wunderschön erzählte Geschichte. Ein Roman über die Folgen des Krieges, die Last unausgesprochener Geheimnisse und darüber, wie wichtig es sein kann, zurückzublicken, um endlich nach vorne gehen zu können.5 Sterne für die Geschichte - mit kleinen Abzügen für die Hörbuchumsetzung.