Nachdem ich kürzlich Band 2 dieser Reihe von Karin Slaughter gelesen hatte, war nun Teil 1 dran: Dunkle Sühne.
Als in der Kleinstadt North Falls am Nationalfeiertag zwei Teenager verschwinden, gerät das einst so plüschige Gefühl ins Wanken. Die mit den Ermittlungen betraute Emmy Clifton sieht sich bald in einen tiefen Sumpf aus Geheimnissen gezogen und ist schnell persönlich involviert. Denn eins der verschwundenen Mädchen ist die Tochter ihrer Freundin, und war am Abend zuvor zu ihr gekommen, um zu reden; Emmy hatte sie aber abgewiesen. Vor dem Hintergrund will sie Madison umso dringender finden.
So viel bzw. wenig krimi- bzw. thrillergerecht zur Handlung ... Da Slaughter hier den Grundstein für eine neue Reihe legt, hatte ich mit Längen gerechnet und die hatte die Geschichte. Das mag daran liegen, dass ich (blöderweise) zuerst den 2. Band der Reihe gelesen hatte und daher manches schon vorweggenommen war. Der Fall an sich ist durchaus spannend und das Kleinstadtsetting, wo eigentlich jeder jeden kennt und mag und es hinter den Fassaden doch so anders aussieht, gibt einiges her für Spekulationen. Und derer gibt es so einige, ebenso wie Fragen: Wer steckt hinter dem Verschwinden der Mädchen, welche Geheimnisse verbargen die Mädchen, wird Emmy ihre Schuldgefühle (Hätte sie das Verschwinden verhindern können, wenn sie sich Zeit für Madison genommen hätte?) loswerden? Die behandelten Themen haben es in sich (es geht Richtung Pädophilie, aber auch Emmys Verhalten und Ehe wirken nicht immer sozial kompatibel und am Rande greift die Autorin auch noch in die Demenzkiste) und das gilt auch für so manche Beschreibung das sollte man schon abkönnen Daneben gönnt Slaughter der Reihe einiges an Aufbau der Figuren und des familiären Geflechts (Emmys Schwester, ihr Vater, Mann usw.), wofür reihenanfangstypisch Erzählzeit verwendet wird, worunter die Spannung leiden kann. Was allerdings einmal mehr slaughtertypisch funktioniert, ist ihr Schreibstil: flüssig lesbar, man sieht die Figuren geradezu vor dem inneren Auge, verschiedene Handlungsstränge werden langsam zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Für mich ging die von Nina Petri gelesene Hörbuchfassung hier besser auf, weil annähernd 20 Stunden nebenbei leichter gehört als über 500 Seiten gelesen sind. Beim Buch stören mich manch allzu akribische Beschreibungen, die der Fantasie zu wenig Spielraum lassen und zu viel Privatkram, weshalb die 3,5 Sterne beim Buch ab, beim Hörbuch aufgerundet werden.