Spannend, kurzweilig und voller falscher Fährten. Sydney nervt zwar manchmal, dafür haben mich die Twists wieder komplett bekommen.
Als absoluter Freida-McFadden-Fan hatte ich natürlich gewisse Erwartungen an "Der Freund" und wurde definitiv nicht enttäuscht. Für mich war das wieder genau diese Art von Psychothriller, für die ich ihre Bücher so gerne habe:: kurze Kapitel, ein angenehmes Tempo, ständig neue Verdachtsmomente und dieses permanente Gefühl, dass irgendetwas an der ganzen Sache nicht stimmt.Die Geschichte rund um Sydney hat mich ziemlich schnell gepackt. Sie hat beim Dating bisher nicht gerade das große Los gezogen und als sie Tom kennenlernt, scheint sich das endlich zu ändern. Er wirkt charmant, aufmerksam und eigentlich wie der perfekte Mann. Gleichzeitig treibt ein Killer sein Unwesen, der seine Opfer über Dates kennenlernt. Natürlich beginnt man dadurch ziemlich schnell, alles und jeden zu hinterfragen und genau damit spielt McFadden mal wieder richtig gut.Besonders gefallen hat mir der Aufbau der Geschichte. Wir begleiten nicht nur Sydney in der Gegenwart, sondern bekommen auch Einblicke in Toms Vergangenheit. Dadurch hatte ich ständig das Gefühl, der Wahrheit eigentlich schon ziemlich nah zu sein. Ich hatte zwischenzeitlich mehrere Theorien und war mir bei manchen davon wirklich sicher. Und natürlich schafft es McFadden trotzdem wieder, einem neue Informationen hinzuwerfen, durch die plötzlich alles in einem anderen Licht erscheint. Genau dieses Miträtseln macht ihre Bücher für mich einfach aus.Sydney selbst war allerdings nicht unbedingt mein Lieblingscharakter. Teilweise fand ich sie schon ziemlich anstrengend und bei manchen ihrer Entscheidungen hätte ich sie am liebsten einmal ordentlich geschüttelt. Gerade weil sie einerseits extrem misstrauisch ist, andererseits aber teilweise Dinge übersieht oder Entscheidungen trifft, die ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Das hat mich zwischendurch etwas genervt. Trotzdem konnte ich mich gerade bei ihrer zunehmenden Unsicherheit gut in sie hineinversetzen. Irgendwann weiß man schließlich selbst nicht mehr, welchem Gefühl und welcher Person man überhaupt noch trauen soll.Ich habe dieses Mal das Hörbuch gehört und das hat für mich richtig gut funktioniert. Besonders positiv fand ich, dass die unterschiedlichen Perspektiven von zwei Sprecher:innen gelesen werden. Dadurch konnte ich den Zeitsprüngen und Perspektivwechseln super folgen und die beiden Erzählstränge haben sich deutlich voneinander abgegrenzt. Gleichzeitig hat es die Geschichte für mich noch lebendiger und teilweise auch beklemmender gemacht.Natürlich muss man auch hier wieder sagen: An der einen oder anderen Stelle sollte man nicht jedes Detail komplett auf Realismus und Logik auseinandernehmen. Manche Entwicklungen sind schon sehr passend konstruiert, damit die nächsten Wendungen funktionieren. Die Geschichte ist schnell gehört, spannend aufgebaut und wirft immer wieder neue Fragen auf. Nicht jeder Twist hat mich gleichermaßen umgehauen und Sydney hat definitiv ein paar Nerven gekostet, aber insgesamt hatte ich wieder richtig Spaß mit der Geschichte. Vor allem die letzten Entwicklungen haben meine vorherigen Vermutungen noch einmal ordentlich durcheinandergebracht.Für mich vielleicht nicht ganz mein liebstes McFadden-Buch, aber trotzdem wieder ein richtig guter Psychothriller mit hohem Unterhaltungsfaktor. Wer ihre typischen kurzen Kapitel, falschen Fährten und fiesen Wendungen mag, bekommt hier genau das. Als Hörbuch kann ich die Geschichte aufgrund der beiden Sprecher:innen besonders empfehlen