Worum gehts?
Paula und Peter sind Kollegen. Schon lange schwingt zwischen ihnen etwas mit, unausgesprochen, aber spürbar. Nach einem Seminar in Würzburg zwingt sie ein Bahnstreik zum Bleiben. Aus einem ungeplanten Stillstand wird gemeinsame Zeit und aus Nähe etwas, das sich nicht mehr ignorieren lässt.
Meine Meinung:
Ewald Arenz kann diese besondere Art von Geschichten erzählen: leise, menschlich und tief berührend, ohne je laut zu werden. Katzentage habe ich nicht gelesen, sondern gehört und das war eine hervorragende Entscheidung. Julia Meier liest mit einer ruhigen, warmen Stimme, die perfekt zu Paula und Peter passt. Sie trägt die Geschichte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, und macht das Zuhören zu einem echten Innehalten.
Paula, Ärztin. Peter, Verwaltungsjurist. Zwei Berufe, die wenig Raum für Träumerei lassen. Zwei Menschen, die funktionieren, Verantwortung tragen und ihr inneres Kind irgendwo tief vergraben haben. Ihr Alltag ist eng getaktet, voller Pflichten und Erwartungen an sich selbst und an das Leben. Und dann dieser Bahnstreik. Stillstand. Zeit. Und plötzlich die Frage: Was macht man damit?
Arenz zeigt auf wundervolle Weise, wie Paula und Peter mit dieser geschenkten Zeit umgehen. Wie sie langsamer werden. Leichter. Wie sie wieder staunen, spielen, sich necken fast so, als dürften sie für einen kurzen Moment vergessen, wer sie sonst sind. Zwischen kleinen Wortgefechten und liebevollen Sticheleien wächst etwas Zartes, Ehrliches, Frischverliebtes. Man hört ihre Gedanken, fühlt ihre Unsicherheiten und Hoffnungen und ist ganz nah bei ihnen. Beim Hören entsteht eine Art Blase. Der Alltag bleibt draußen, die Zeit verliert an Bedeutung, und alles konzentriert sich auf diesen einen Augenblick. Umso schmerzhafter ist es, wenn die Gedanken zurückkommen, wenn Zweifel und Vernunft diese Leichtigkeit langsam unterwandern. Genau das macht die Geschichte so glaubwürdig und so menschlich. Denn solche Momente sind flüchtig. Man kann sie nicht festhalten. Aber man kann sie erinnern.
Katzentage erinnert daran, wie wertvoll diese kurzen, besonderen Zwischenräume sind. Daran, zu leben, zu fühlen, zu lieben und das Leben nicht immer so furchtbar ernst zu nehmen. Eine Geschichte, die nachklingt und ein leises Lächeln hinterlässt.
Fazit:
Katzentage von Ewald Arenz ist eine leise, berührende Geschichte über Nähe, verpasste Möglichkeiten und die Magie eines unerwarteten Augenblicks. Als Hörbuch gewinnt sie durch die ruhige, warme Stimme von Julia Meier noch einmal deutlich an Tiefe und Gefühl. Ein Titel, der entschleunigt, nachklingt und daran erinnert, wie wertvoll kleine Momente sein können.
5 wohlfühlige Sterne von mir!