Pünktlich zu ihrem 80sten Geburtstag hat der Rowohlt-Verlag Natascha Wodins neuesten Roman herausgebracht. Darin erzählt die Autorin aus ihrem Leben. Hautnah können wir LeserInnen ihre Sorgen und Nöte über das Alter und das sich nähernde Lebensende miterleben. Dabei erfahren wir viel über ihre bewegte Vergangenheit, in der sie gereist ist und gelebt hat. Besonders emotional beschreibt sie ihre jetzige Liebe zu einem um einige Jahre älteren Mann, die sie folgendermaßen definiert: Sie ist das Einzige, was zählt, alles andere ist vergeblich. Sie ist mehr als ein schönes Gefühl; sie erfordert Anstrengung und Freiheit.
Nataschas Wodins Erinnerungen sind innig, aber sie leidet immer wieder unter ihrer Lebenssattheit, die für mich erschreckend war.
Da ich selbst schon über 70 bin, sind mir viele ihrer Gedanken vertraut. Gerne ziehe ich aus den Schilderungen ihres Lebens meine Schlüsse und halte mir ständig vor Augen, wie wichtig tägliche Bewegung ist, um nicht in die körperliche Starre und Schwäche zu fallen, unter der sie zunehmend leidet. Gefallen haben mir ihre Erinnerungen an alte Freundschaften mit Schriftstellern. Außerdem erfuhr ich so manches Neues aus der alten Sowjetunion.
Da mir das Werk als Hörbuch aus dem Argon-Verlag vorlag, möchte ich unbedingt noch Martina Gedeck erwähnen. Achteinhalb Stunden dauert ihre gefühlvolle Lesung, die mir die Schriftstellerin Natascha Wodin, die 2017 für ihren Roman Sie kam aus Mariupol mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, sehr nah gebracht hat.
Fazit: 5 Sterne für diesen in poetischer Sprache verfassten Roman, der wohl am ehesten ältere Personen anspricht. Junge Leute könnten damit überfordert sein.