In dieser Royal Romantasy steht Ivy, Tochter einer in Ungnade gefallenen Familie, im Zentrum einer gnadenlosen Heiratssaison am Fae-Hof in London 1848. Fae-Königin Moryen lockt mit dem Rose Bargain Reichtum und Schönheit, während Kronprinz Bram seine zukünftige Braut aus einer Gruppe junger Adeliger wählen soll und genau dieser Wettbewerb ist Ivys einzige Chance, den Namen ihrer Familie wieder in die Gesellschaft zurückzubringen.
Besonders stark fand ich Ivy als Protagonistin. Sie ist kein makelloses Mädchen aus gutem Hause, sondern jemand, der stolpert, aneckt und trotzdem aufrecht bleibt. Sie sagt oft, was sie denkt, ist hin- und hergerissen zwischen Loyalität zu ihrer Familie und der Wut darüber, wie viel Last auf ihren Schultern liegt gerade im Kontrast zu ihrer Schwester Lydia, die sich aus der Welt zurückgezogen hat. Bram wird als der beliebte, gute Prinz gezeigt, um dessen Hand alle offiziell werben, während Emmet, sein menschlicher Stiefbruder, eher den Ruf eines charmanten Schwerenöters hat. Dass Ivy im Laufe der Geschichte hinter seine Fassade schauen darf und dort deutlich mehr findet, als die Gerüchte vermuten lassen, hat für mich sehr gut funktioniert vor allem in ihren gemeinsamen Szenen.
Ein großes Plus ist für mich die Erzählstruktur. Die Geschichte wird nicht nur aus Ivys Sicht erzählt, sondern bezieht Emmet, jede der anderen Kandidatinnen und schließlich auch Lydia mit eigenen Kapiteln ein. Dadurch werden die Motive der Frauen im Wettbewerb greifbar: jede hat ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Preis, den sie bereit ist zu zahlen. Dieser multiperspektivische Blick macht das ganze Setting deutlich dichter und emotionaler, ohne dass ich beim Hören den Überblick verloren hätte.
Der Wettbewerb selbst erinnert ein wenig an eine dunkle Fantasy-Version eines Bachelor-Formats: Die Kandidatinnen ziehen in ein Cottage am Hof ein, werden immer wieder zu Bällen und Prüfungen gerufen und müssen sich Königin Moryens grausamen Tests stellen. Die Atmosphäre schwankt dabei gelungen zwischen höfischem Glanz, unterschwelliger Bedrohung und der kühlen Logik eines Pakts, bei dem man nie genau weiß, was der Einsatz am Ende wirklich kostet. Parallel dazu zieht sich das Rätsel um Lydias früheres Verschwinden und den Skandal der Familie wie ein roter Faden durch die Handlung und bekommt erst spät eine aufwühlende Auflösung.
Ich habe das Hörbuch gehört und mochte den Stil unglaublich gern. Die Sprache ist bildhaft, gut verständlich und hat für mich genau die richtige Mischung aus Düsternis und Leichtigkeit. Gerade Ivy hat viele Momente, in denen sie mit ihrer direkten Art und kleinen Tollpatschigkeiten für Luft in all der Anspannung sorgt, und die Dialoge zwischen ihr und Emmet sind teilweise richtig witzig und lebendig. Trotz der vielen Perspektivwechsel bin ich beim Hören nie rausgefallen, im Gegenteil: Die unterschiedlichen Stimmen auf die Ereignisse haben die Spannung für mich eher erhöht. Für mich ist Hof der Dornen The Rose Bargain ein Romantasy-Highlight, das ich allen empfehle, die düstere Fae-Höfe, Intrigen und komplexe Figuren lieben.