Zwei Jugendliche mit großer Liebe für die Kunst. Ein Sommer in Frankreich. Kunststudium in Deutschland. Zusammenziehen. Almas und Théos Liebe scheint pefekt. Sie erfüllt beim Kennenlernen sämtliche Klischees, die man mit Frankreich und Kunst zu verbinden meint. Doch etwas ist vorgefallen - jetzt, einige Jahre später. Wieder sind Alma und Théo in Frankreich, im Sommerhaus von Almas Familie. Doch die meiste Zeit des Tages bleiben beide für sich. Malen bzw. gestalten und wechseln kaum ein Wort miteinander. Théo lebt im Poolhaus, Alma im Haupthaus. Doch in beiden brodelt es. Unsicherheit, Erinnerungen und die Frage, ob man die Beziehung weiterführen soll, beschäftigen beide. In der Kunst des anderes meinen die die Figuren Spuren zu entdecken, die Hinweis auf ein mögliches Morgen geben. Gleichzeitig werden Erinnerungen an gemeinsame Zeiten wach.
Eva Pramschüfer hat mit "Weißer Sommer" nicht nur DEN Sommerroman der Saison geschrieben, sondern auch ganz neue Bilder und Worte gefunden, um Beziehungen zu beschreiben. In ihrem Debüt schaut sie genau hin, beschreibt Liebe und wie sie sich entwickelt so frisch und unverbraucht, dass man gar nicht genug bekommen kann. Sie jongliert mit ungewöhnlichen Metaphern und schenkt ihren Lesern ganz neue Begriffe für ein altes Gefühl. Das beginnt schon bei Almas Wahrnehmung der Zeit: Jede Jahreszeit hat ihre eigene Farbe, ihre eigenen Assoziationen. So klingt der Texte, dessen Setting schnell ins Klischeehafte abrutschen könnte, nie nach kitschigem Liebesroman. Allein schon aufgrund der Sprache macht es einfach Spaß, den Roman zu lesen.
Die vielen Rückblenden lassen die Geschichte wie eine Liebesbeziehung im Rückspiegel wirken. Daraus zieht der Roman seine Spannung. Stück für Stück erfährt der Leser vom Kennenlernen, der Fernbeziehung, der ersten Monate zusammen und dem Versuch, sich selbst treu zu bleiben und gleichzeitig eine Beziehung mit geteilter Zweisamkeit zu führen. Was denn nun passiert ist, möchte man immer wieder wissen, und meint dann in einem Nebensatz, einer Andeutung einen Hinweis gefunden zu haben. Manchmal ist das schmerzhaft, denn Pramschüfer spricht auch schwierige Themen (Kinder und Kunst - vereinbar?) an.
Für das Hören sind diese Zeitsprünge ziemlich herausfordernd. Da man unmittelbar in die Handlungssprünge geworfen wird, dauert es einen Moment, bis der Kopf die richtige Zeitebene sortiert hat (und sie korrekt Alma oder Théo zugeordnet hat). Diese kleine Herausforderung macht allerdings die Lesung von Jodie Ahlborn wett. Ihr gelingt es durch ihre ruhige Vortragsart die Stimmung des Romans perfekt zu transportieren. Insbesondere Alma habe ich mich dadurch sehr nah gefühlt.
"Weißer Sommer" ist genau das richtige Buch, um Sommergefühle zu wecken, ohne zu seicht zu sein. Wer einen sprachlich wunderbar gestalteten Roman oder ein Hörbuch für die warmen Tage sucht, ist hier absolut richtig.