Emotionaler und metaphorischer Overload
"Weisser Sommer" von Eva Pramschüfer nimmt sich acht Tage vor, mehr braucht es scheinbar nicht, um ein Leben aus den Fugen geraten zu lassen oder zumindest die Frage zu stellen, ob es je in ihnen war. Ein Pärchen Mitte zwanzig, mitten in einer Sinn- und Beziehungskrisen, die sich nur schwer benennen lässt: keine Trennung, keine äußere Katastrophe, sondern jenes leise Auseinanderdriften, das entsteht, wenn zwei Menschen merken, dass sie sich eigentlich noch selbst finden müssten, bevor sie sich als Paar finden können.Der eigentliche Clou des Romans liegt in seiner Statik: Die Gegenwart der beiden Protagonisten bleibt seltsam blass, fast wie eine Bühne, die nur errichtet wurde, um von dort aus in die Vergangenheit zu blicken. Denn dort, in der Rückschau auf Alma und Théo, ihre Liebesgeschichte, ihre gemeinsamen Aufbrüche in Kunst und Freiheit, entfaltet sich das eigentliche Drama. Eva Pramschüfer interessiert sich sichtlich mehr für die großen Fragen - wohin will man mit seinem Leben, was bedeutet Freiheit, wenn man sie mit einem anderen Menschen teilt - als für das konkrete Leiden ihrer Figuren im Hier und Jetzt.Genau das aber macht die Lektüre stellenweise mühsam. Alma und Théo bleiben merkwürdig entrückt, mehr Projektionsflächen für Ideen als Menschen aus Fleisch und Blut, an deren Schicksal man wirklich Anteil nimmt. Die Sprache selbst drängt sich immer wieder in den Vordergrund, mit langen, kunstvoll ziselierten Passagen, die weniger der Geschichte dienen als sich selbst inszenieren. Das ist streckenweise beeindruckend, oft aber auch ermüdend. Ein Roman, der spürbar mehr sagen will, als er erzählen kann, und der sich in seiner eigenen Konzeptlastigkeit zu verlieren droht.Was bleibt, ist ein Buch, das einen eher kühl von außen betrachtend zurücklässt als es einen hineinzieht. Nicht, weil es schlecht gemacht wäre - handwerklich und sprachlich zeigt Pramschüfer durchaus Ambition und Können -, sondern weil die Fülle an Metaphern, Bildern und emotionalen Untertönen irgendwann in einen regelrechten Overload kippt, der die eigentliche Frage nach Sinn und Bindung fast erstickt."Weisser Sommer" ist kein Buch, das man bereut, gelesen zu haben. Aber es ist auch keines, das mir Spaß gemacht hat und mit dem Wunsch nach mehr zurücklässt. Mich konnten die Protagonisten nicht wirklich einfangen und blieben merklich unsympathisch zurück.