Marie tötet. Seit sechs Jahren, gegen Bezahlung, zur Zufriedenheit ihrer Kunden. Ihre Arbeit hält sie für verwerflich, aber nicht für unmoralisch, und schon in dieser feinen Unterscheidung beginnt der Sog, dem ich mich von der ersten Seite an nicht mehr entziehen konnte.
Denn dieser Roman fragt nicht, wer als Nächstes stirbt. Er fragt, was in einem Menschen vorgehen muss, damit er so wird wie sie.
"Meine Erinnerung lähmt meine Gegenwart. Und dass ich nicht vergessen kann, stiehlt mir meine Zukunft. Seite 8
Härtl erzählt das ganz aus Maries Innerem, in einer Sprache, die mich leise hin und her gleiten ließ, bis ich Teil ihres Denkens wurde, fast ihre Komplizin.
Und dann tritt Vincent in ihr Leben, ihr neues Zielobjekt. Sie schläft mit ihm, wie mit fast all ihren Opfern.
"Ein letzter Höhepunkt vor dem Jenseits." S. 10
Doch er hört ihr zu, setzt ihr Sonnenpunkte auf die Haut und versucht ihren Selbsthass mit Geborgenheit zu vertreiben.
Sie öffnet sich und von da an habe ich das Unglück förmlich gerochen, lange bevor es geschah. Ich konnte nicht aufhören, wie eine Voyeurin, die nicht wegsehen kann, bis zur letzten Gewissheit. Wird sie ihn töten oder lieben?
Ein ungewöhnliches Psychogramm einer Killerin, das mich auch stilistisch absolut gefesselt hat.
Die ausführliche Rezension findet Ihr wie immer auf LesenmitCarola. de.