Manchmal sind es Geschichten, die uns daran erinnern, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben. Genau so eine Geschichte ist Die Mutsammlerin von Stefanie Taschinski. Der berührende Kinderroman ab 10 Jahren verbindet die Geschichte einer Familie im Widerstand während der NS-Zeit mit den Herausforderungen, denen sich Kinder auch heute stellen müssen. Gesprochen wird das Hörbuch von Chris Nonnast.
Und was soll ich sagen, ich habe diesem Hörbuch wirklich sehr gerne gelauscht. Chris Nonnast hat mich mit ihrer Stimme von Anfang an abgeholt. Sie liest wunderbar einfühlsam und schafft es, die unterschiedlichen Stimmungen der Geschichte ganz selbstverständlich einzufangen. Die Betonung und das Tempo haben für mich perfekt gepasst. Es war einfach angenehm, ihr zuzuhören und Emmi auf ihrem Weg zu begleiten.
Emmi ist zwölf Jahre alt und verbringt ihre Ferien bei ihren Großeltern. Eigentlich könnte es ein ganz normaler Sommer werden, doch dann entdeckt sie auf dem Dachboden ein altes Tagebuch. Es gehörte ihrer Ururgroßmutter Elsa und führt Emmi zurück in eine Zeit, in der Mut eine ganz andere Bedeutung hatte. ...
Denn auch Emmi selbst steht vor einer Situation, in der sie Mut beweisen müsste. Sie lernt Bianca kennen und erlebt, wie Bianca und ihr Bruder beschimpft und ausgegrenzt werden. Emmi möchte eingreifen, doch die Angst ist stärker. Sie ist wie gelähmt und schafft es zunächst nicht, etwas zu sagen.
Gerade dieser Teil hat mich sehr berührt, weil Emmi dadurch unglaublich menschlich wirkt. Sie ist kein Mädchen, das von Anfang an selbstbewusst für alle anderen einsteht. Sie hat Angst. Sie zweifelt. Und sie ärgert sich über sich selbst, weil sie nicht gehandelt hat. Ich konnte ihre Gefühle sehr gut nachvollziehen.
Umso schöner fand ich ihre Entwicklung. Nach und nach wächst in Emmi der Mut und Elsas Geschichte gibt ihr dabei Kraft. Es war für mich wirklich schön zu erleben, wie aus dem eher schüchternen Mädchen ein Mädchen wird, das seine Stimme findet und bereit ist, für andere einzustehen.
Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte nicht nur in die Vergangenheit schaut. Stefanie Taschinski schafft eine Verbindung zu aktuellen Themen wie Mobbing, Ausgrenzung und Rassismus. Dadurch fühlt sich die Geschichte nicht weit entfernt an, sondern erstaunlich nah. Sie regt dazu an, darüber nachzudenken, wie man selbst reagieren würde, wenn jemand ungerecht behandelt wird.
Dabei vermittelt das Buch eine Botschaft, die ich besonders wichtig finde. Zivilcourage bedeutet nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen oder plötzlich unglaublich mutig sein zu müssen. Manchmal beginnt sie schon damit, hinzusehen, nicht wegzuschauen und sich Unterstützung zu holen. Und manchmal muss der eigene Mut eben erst wachsen.
Genau deshalb kann ich mir Die Mutsammlerin auch wunderbar als Schullektüre vorstellen. Die Geschichte bietet so viele Möglichkeiten, mit Kindern über Mut, Freundschaft, Ausgrenzung und Zivilcourage zu sprechen. Gleichzeitig vermittelt sie ganz nebenbei einen wichtigen Einblick in die deutsche Geschichte.
Für mich war Die Mutsammlerin ein warmherziges, bewegendes und wichtiges Hörerlebnis. Eine Geschichte, die nachklingt und bei der man sich vielleicht selbst die Frage stellt, ob man in einer schwierigen Situation den Mut finden würde, das Richtige zu tun.
Ich kann dieses Hörbuch allen empfehlen, die nach einer besonderen Geschichte für Kinder ab 10 Jahren suchen. Aber auch Erwachsene können meiner Meinung nach etwas daraus mitnehmen. Denn manchmal braucht es nur eine Geschichte, ein Vorbild und ein kleines bisschen Mut, damit aus Angst Zuversicht wird.