Die Autorin Caroline Wahl hat sich ja schon seit ein paar Jahren in die Herzen der Leser, insbesondere der jungen Leserinnen geschrieben. Verständlich, ihre Bücher lesen sich flott, jugendlich, haben trotzdem immer die nötige Portion Tiefgang und berühren Alltägliches und weniger Alltägliches. Ich habe bisher immer Hörbücher, Hörspiele, den Film 22 Bahnen von ihr und etliche Rezensionen über sie gelesen. Das Hörbuch Die Assistentin hatte ich nach ein paar Minuten abgebrochen, es war die Version, in der Caroline Wahl selbst gelesen hat. Nun also 1999 Meter über dem Meer, gelesen von der sympathischen und professionellen Lisa Hrdina, die ich zuletzt als Sprecherin beim Hörbuch Zugwind als sehr empathische und emotionale Stimme wahrgenommen habe. Diese Qualitäten bringt sie auch im neuen Hörbuch mit und dazu eine Prise Ironie in der Stimme, die einfach Spaß macht beim Zuhören.
Ich glaube nicht, dass ich den Roman lesen würde, aber der Stil gefällt mir als Zuhörer sehr. Kurze Sätze, Selbstironie und Sarkasmus, eine Geschichte, die wie ein modernes Märchen daherkommt. Protagonistin und Ich-Erzählerin ist Samara, die ihr Studium beendet hat und ein bisschen die Luft der schönen weiten Welt schnuppern möchte. Erzählt sie jedenfalls ihren Eltern und bucht spontan Bali als Ziel. Dort ist sie mit ihrem Selbstfindungstripp ohne Müller-Milch ziemlich aufgeschmissen und froh, nach ein paar verschwitzten und vergeudeten Wochen wieder heimischen Boden unter den Füßen zu haben. Nächste Station ist ihr erster Arbeitsplatz nach dem Studium in einer PR-Agentur. Als Startgeschenk von den Eltern hat sie einen alten Mercedes bekommen, der in Berlin aber eigentlich nur rumsteht und einstaubt. Es wäre nicht Samara, wenn nicht bald etwas passiert. Ende von WG (man mag dort keine Fleischesser), Ende von PR (nicht ihr Antrieb) und Ende von Berlin. Sie beschließt, in die Berge zu fahren und mit dem Mercedes ist das erst einmal auch kein Problem. Beim Zwischenstopp im Allgäu verstrickt sie sich in ihren Lügengeschichten, kraxelt mit auf einen Berg und wird per Heli wieder heruntergebracht, direkt ins Krankenhaus. Aber, es ist nichts gebrochen und so landet sie wieder bei ihren Wirtsleuten, die sie aber schnellstens wieder verlässt. Es geht Richtung Sankt Moritz, gerade fällt ihr noch ein, dass sie da einen Typen kennengelernt hat in Berlin, der ihr Unterkunft angeboten hat im Paradies der Reichen und Schönen. Und so bezieht sie ein Zimmer und spaziert los, Pradataschen und Leute bestaunend, sich endlich auch Iced Cacao schlürfend dem inneren Paradies nähernd. Dass sie jedem, den sie trifft, eine andere Daseinsgeschichte, ein neues Märchen erzählt, findet wohl nur sie lustig. Mir wurde es trotz der netten Erzählstimme immer langweiliger. Dass ihr ab und zu übel wird, gehört auch dazu, besonders in der Höhe hat sie offensichtlich Probleme. Macht nichts, versucht sie es ein paar hundert Meter tiefer von Neuem, das große Glück und den schönsten Mann der Welt zu finden. Den Rest muss sich nun jeder selbst anhören. Alles will ich hier nicht ausplaudern.
Es war übrigens das Cover, das mich zuerst angezogen hat, es ist angelehnt an ein Plakat aus den Dreißigern, es macht wirklich etwas her! Und passt perfekt zur Geschichte.
Der Schreibstil von Caroline Wahl ist gut lesbar (hörbar), aber für meinen Geschmack etwas zu gendergerecht, es reicht mir eigentlich schon, wenn in den Nachrichten nur noch von Menschen gesprochen wird. Teilnehmende auf einer Party wirken auf mich wie Anzugträger in der Sauna völlig fehl am Platze. Diese Art der Kommunikation in einem Roman nervt mich einfach. Auch wenn es sonst viel zu lachen und zu schmunzeln gibt.
Fazit: Ein unterhaltsames Hörbuch wahrscheinliche Zielgruppe bis Ende dreißig , das vor allem in St. Moritz mit spitzer Feder die Reichen und die Schönen auf den Arm nimmt und auch mit Selbstironie nicht spart. Drei Sterne plus einen Extrastern für die Sprecherin Lisa Hrdina.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.