Südengland-Flair und zwei Frauen, die sich ihrem Schmerz stellen (müssen)
Im Debütroman von Anna Carlé begegnen sich die eigenbrötlerische Leuchtturmwärterin Rosie und die rebellische Graffitikünstlerin June auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Doch beide tragen seelische Verletzungen in sich. Davon, wie diese beiden Frauen Freundschaft schließen und endlich den Mut finden, die Vergangenheit loszulassen (Rosie) bzw. die eigenen Träume zu verwirklichen (June), handelt dieser Roman.
Er spielt an der Küste Südenglands und in meinen Augen ist das Setting mit das Beste an dem Roman. Atmosphärisch und bildhaft wird die Landschaft beschrieben. Es ist ein Roman für alle Sinne: Ich sah die Umgebung vor meinem inneren Auge, hörte das Rauschen der heranbrechenden Wellen, roch Rosies Kräuter, schmeckte den Ingwertee und spürte die Kälte des zugigen Leuchtturms und die wohlige Wärme von Rosies Cottage.
Der angenehm zu lesende und bildhafte Schreibstil haben mich sehr beeindruckt.
Die beiden Protagonisten lösten in mir ambivalente Gefühle aus. Von Verständnis und Mitgefühl bis hin zu "Hey, jetzt stell dich nicht so an!" war alles dabei. Solche Gefühle finde ich durchaus gut, denn einen Roman, dessen Figuren einem schlicht schnurz bleiben, würde ich wohl nicht zu Ende lesen.
Eine Empfehlung für alle, die gern Bücher mit viel Flair lesen und die sich für die Entwicklung von Menschen interessieren.