**** Mein Eindruck ****
Der Titel dieses Buches ist hier wirklich Programm. Wir befinden uns mitten in den Köpfen von Täter und Opfern. Das, was sich dort abspielt, ist durch und durch bösartig. Dieses Buch geht tief in die Untiefen menschlicher Abgründe und macht dabei keine Kompromisse.
Als Lesende ist man in den Details sehr nah dran. Das ist intensiv, aber auch belastend. Deshalb ganz klar: nichts für schwache Nerven oder für Leser*innen, die sensibel auf Gewalt reagieren. Die Darstellung ist roh, direkt und lässt wenig Raum zum Ausweichen.
Die Perspektive des Serientäters ist dabei besonders verstörend. Seine Vergangenheit wird beleuchtet, seine Kindheit liefert Erklärungsansätze und doch konnte ich keine echte Verbindung zu ihm aufbauen. Mitleid für das, was war, vielleicht. Aber nicht für das, was er geworden ist. Genau hier lag für mich auch eine kleine Schwäche: Die emotionale Bindung, sowohl zum Täter als auch zu den Opfern, blieb für mich über weite Strecken zu distanziert.
Und dann kommt die Auflösung. Und die trifft. Hart. Unerwartet intensiv und an manchen Stellen noch gnadenloser, als ich es ohnehin erwartet hätte. Plötzlich war da Emotion, Mitgefühl, sogar für jemanden, den ich zuvor nur verachten konnte. Und genau dieser Wechsel hat mich eiskalt erwischt, nur um im nächsten Moment wieder in Abscheu umzuschlagen.
Die Frage nach dem Warum bleibt bis zum Ende spannend und wird erst ganz zum Schluss wirklich greifbar. Für mich kam die emotionale Tiefe dadurch etwas spät, was die Gesamtwirkung leicht abgeschwächt hat.
Sprachlich passt sich das Buch seinem Inhalt an: roh, direkt und stellenweise auch etwas sprunghaft. Das unterstreicht die Brutalität der Geschichte, wirkte für mich aber nicht immer ganz rund.
Was bleibt, ist ein Thriller, der bewusst unbequem ist. Skrupellos, nüchtern und brutal und genau darin liegt auch seine besondere Stärke. Ein Buch, bei dem man zeitweise selbst wütend wird und die Grenzen zwischen Beobachter und Beteiligtem verschwimmen.
**** Empfehlung? ****
Für Leser*innen, die harte, psychologisch intensive Thriller suchen und vor schonungslosen Darstellungen nicht zurückschrecken. Kein leichtes Buch aber eines, das nachwirkt und zum Nachdenken zwingt.