Titel und Cover des Hörbuchs verweisen auf einen Roman, der die Kunst zum Thema hat, insbesondere die Zeichenkunst. Der Protagonist nennt sich Cricket, wie die Grille, wir verfolgen fast sein ganzes Leben von der Kindheit bis ins Alter. Er kommt aus armen Verhältnissen, wächst im mittleren Westen der USA auf als Sohn einer alleinerziehenden Mutter. Das stille, in sich gekehrte Kind liebt vor allem den Großvater Silas, seine Geschichten, seine Musik, sein Verständnis. Dessen Tod setzt ihm sehr zu, während er dem prügelnden Freund der Mutter möglichst aus dem Weg geht.
Cricket kann schon als Kind gut zeichnen, bildet sich später darin fort, wird aber nie ein gefeierter Künstler. Das ist ihm nicht wichtig. Dennoch wird ihn die Kunst sein ganzes Leben begleiten. Der friedliche Junge beginnt früh, seinen Lebensunterhalt mit Aushilfsjobs zu verdienen, später hilft ihm seine handwerkliche Begabung dabei, besser bezahlte Jobs zu finden. So findet er auch Freunde und väterliche Unterstützer. Den ersten Zeichenunterricht finanziert ihm die Mutter, obwohl das Geld knapp ist. Er hat eine ungewöhnlich gute Beobachtungsgabe, die ihm bei allen handwerklichen Tätigkeiten hilft, nicht nur beim Zeichnen und Malen. Er schaut genau hin, nimmt sich Zeit dafür.
Schon als Schüler lernt er die vorlaute, aus wohlhabenden Verhältnissen stammende, 2 Jahre ältere Olympia kennen, die sein Zeichentalent im Rahmen einer Mutprobe erkennt und sein Leben auf eigentümliche Weise begleiten wird. An entscheidenden Stationen seines Lebens ist es immer die starke, selbstbewusste Olympia, die an seine Kunst glaubt, ihn unterstützt, ihn fördert und meint, ihm den Weg weisen zu müssen zum Erfolg. Sie rät ihm zum Studium, das er auch beginnt, aber die akademische Auseinandersetzung mit Kunst befremdet ihn. Olympia wird eine erfolgreiche Galeristin, spielt eine beachtliche Rolle im Kunstbetrieb, während er sich diesem Kunstbetrieb und seinen kommerziellen Auswüchsen entzieht. Die beiden verbindet zweifellos eine echte Liebe, gelegentlich kommt es zu sehr erfüllendem Sex, aber Olympia verschwindet immer wieder, oft für Jahre aus seinem Leben, und auch er lebt sein eigenes Leben. Getrennt ziehen sie durch die Welt. Dennoch suchen und finden beide immer wieder Halt aneinander, brauchen einander in schwierigen Lebensumständen. Die aktive, zielstrebige Olympia ergreift meist die Initiative.
Eingebettet in den ruhigen Erzählstrom stellen sich Cricket viele grundsätzliche Fragen. Was ist ein gutes Kunstwerk, wann ist ein Werk gelungen? Was unterscheidet ein lebensecht gemaltes oder gezeichnetes Werk von einem echten Kunstwerk? Nicht nur die Kunst treibt ihn um, auch wichtige Lebensfragen: Wie sollen wir leben, was zählt wirklich im Leben? Was bedeutet wirtschaftlicher Erfolg, was künstlerischer? Was ist Liebe, wie verhält sie sich zu gutem Sex?
Thema und Erzählweise des Romans sind seltsam aus der Zeit gefallen. Auch der Autor nimmt sich wie sein Protagonist viel Zeit. So wirkt der Roman langatmig, hat immer wieder deutliche Längen, ist als Ganzes aber doch stimmig, vielleicht gemeint als Gegenentwurf zu unserer schnelllebigen, oft hektischen Zeit.
Torben Kessler liest das Hörbuch sehr angenehm. Er bringt die unterschiedlichen Charaktere der Handelnden treffend zum Ausdruck, ich habe ihm gerne zugehört.