Freida McFadden hat es mit Die verschlossene Tür wieder einmal geschafft, mich direkt in ihre Geschichte hineinzuziehen. Ich mag an ihren Büchern besonders, dass sie sich unglaublich schnell und unkompliziert lesen lassen und trotzdem von Anfang an dieses Gefühl vermitteln, dass man nie genau weiß, was als Nächstes passieren wird. Auch hier wollte ich nach den ersten Kapiteln eigentlich ständig weiterlesen und herausfinden, was hinter den aktuellen Morden steckt. Eine Theorie wurde dabei von der nächsten abgelöst und am Ende waren sie alle falsch :D
Schon die Ausgangssituation fand ich richtig spannend. Nora hat sich als erfolgreiche Chirurgin ein neues Leben aufgebaut und versucht, ihre Kindheit und vor allem ihren Vater so weit wie möglich hinter sich zu lassen. Denn ihr Vater ist ein verurteilter Serienmörder. Als Jahre später plötzlich Morde geschehen, die auffällige Parallelen zu seinen Taten aufweisen, wird ausgerechnet Nora immer stärker mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Ich fand diese Verbindung zwischen ihrer Kindheit und den Ereignissen in der Gegenwart sehr interessant und mochte besonders, wie dadurch immer wieder neue Fragen entstanden sind.
Nora selbst hat mir als Hauptfigur gut gefallen. Sie ist eher zurückhaltend und wirkt oft sehr kontrolliert, was für mich gut zu ihrer Geschichte gepasst hat. Gleichzeitig bekommt man durch die Kapitel aus ihrer Vergangenheit einen viel besseren Einblick in ihre Ängste, ihre Erlebnisse und die Beziehung zu ihrem Vater. Dadurch konnte ich ihre Handlungen deutlich besser nachvollziehen. Gerade dieses Wechselspiel aus Vergangenheit und Gegenwart fand ich gelungen, weil man Nora dadurch immer wieder aus einer anderen Perspektive betrachtet. Bei den Nebenfiguren hätte ich mir allerdings stellenweise etwas mehr Tiefe gewünscht.
Besonders mochte ich die Atmosphäre. Die Geschichte ist nicht durchgehend rasant, aber über weite Strecken hatte ich dieses unangenehme Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Immer wieder kamen neue Hinweise oder kleine Veränderungen hinzu, die mich an meinen eigenen Vermutungen zweifeln ließen. Ich hatte dadurch ständig das Bedürfnis, weiterzulesen und herauszufinden, wer tatsächlich hinter allem steckt.
Auch der Schreibstil hat für mich wieder sehr gut funktioniert. Die Sprache ist einfach und flüssig, die Kapitel sind kurz und durch die vielen kleinen Cliffhanger entsteht ein richtig angenehmer Flow. Genau das erwarte ich von einem solchen Thriller. Ich musste mich beim Lesen mehr als einmal bremsen, weil ich eigentlich nur noch ein Kapitel lesen wollte.
Insgesamt war Die verschlossene Tür für mich ein kurzweiliger und atmosphärischer Psychothriller, der vor allem durch seine interessante Ausgangsidee, Nora als Hauptfigur und den hohen Lesefluss überzeugt. Ich mochte besonders die Mischung aus Noras Vergangenheit, den aktuellen Morden und der ständigen Frage, wem man eigentlich vertrauen kann. Aber auch Noras persönliche Seite bekam, vor allem gegen Ende, viel Raum. Das hat ihr aus meiner Sicht einen guten Tiefgang verpasst.
"Für mich ist das kein Thriller, den ich wegen besonders komplexer Plottwists empfehlen würde, sondern einer, der vor allem schnell zu lesen ist, eine düstere Atmosphäre schafft und einen immer wieder zum Weiterlesen bringt. Wer einen leicht zugänglichen Psychothriller mit kurzen Kapiteln, Geheimnissen und einer interessanten Familiengeschichte sucht, dürfte hier auf seine Kosten kommen.
"Die verschlossene Tür" war für mich wieder ein klassischer Freida-Thriller. Rasant, kurzweilig und absolut fesselnd. Von mir gibt es eine klare Empfehlung für alle Thrillerfans.