In Kurt Prödels neuestem Werk "Salto" geht es um Marko, der nach dem Abitur Medizin studieren möchte. Nachdem er überall abgelehnt wird, offenbart ihm sein Vater, dass durch die Lebensversicherung der Mutter, die er früh durch Krankheit verloren hat, ein Studium in Budapest möglich ist. Marko trennt sich von seiner Freundin, die sich mit familiärem Rückhalt ein Studium in München leisten kann, und begibt sich nach Budapest. Dort werden seine Lebensträume durchkreuzt durch das, was man Leben nennt.
Ich bin mir bewusst, dass sich diese Intro sehr banal und unspektakulär liest. Genau das möchte ich bewirken. Denn in diesem Buch geht es nicht um einen Helden, einen Macher, einen erfolgsverwöhnten Jugendlichen mit hippen Freunden und coolem Umfeld, um eine spektakuläre Geschichte. Es geht um einen Menschen, wie man ihn viel öfter in der realen Welt findet: um Marko, einen jungen, eher introvertierten Mann, der früh seine Mutter verloren hat, der sich zusammen mit seinem Vater finanziell durch das Leben schlagen muss, um überhaupt über die Runden zu kommen, als Jahresbester sein Abitur abgeschlossen hat und trotzdem keinen Studienplatz findet. Dann schlussendlich durch das Geld, bedingt durch den Tod der Mutter, im Osten sein Studium aufnehmen kann, um schließlich durch eine Erkrankung seine Lebenspläne aufgeben zu müssen.
Wie eine Momentaufnahme empfinde ich das Buch, das jedoch eine sehr wichtige Etappe im Leben von Marko darstellt. Es geht um Lebenschancen, Träume, soziale Ungleichheiten, um die schwierige Verbindung zum Vater, Akzeptanz, Selbstakzeptanz, Krankheit, Loslassen, Liebe und schließlich darum, trotzdem noch irgendwie ins Leben zurückzufinden. Um eine Kreuzung, die sich im Leben auftut und auf der man dann bewusst seinen Weg geht.
Das Hörbuch, gelesen von Lukas von Horbatschewsky, konnte den Emotionen wundervoll Raum geben, da der Sprecher eine sehr authentische und gefühlvolle Atmosphäre aufbauen konnte.
Aus meiner Sicht ging es nicht unbedingt um die Geschehnisse selbst, sondern um das, was sie bewirken, wie sie sich anfühlen, welche Konsequenzen sie herbeiführen. Welchen Lebenssituationen man auf leise Art die Stirn bieten kann, um daraus wieder Platz für etwas Schönes zu erschaffen. Manches hätte ich gerne noch mehr erfahren, was auch dem geschuldet ist, dass ich den Schreibstil als sehr angenehm empfand und die Protagonisten als Menschen wie du und ich herüberkamen.
Ein ruhiges Buch, das keiner lauten Töne bedarf, um sich seinen Platz in der Bücherbubble zu sichern.