Der Ion zählt zum Frühwerk Platons. In dem kurzweiligen Dialog kommt es zu einem Gespräch zwischen Sokrates und dem in Athen zu Besuch weilenden weithin bekannten Rhapsoden Ion von Ephesos. Das Thema zwischen dem ironischen Philosophen und dem hochmütigen Sänger ist schnell gefunden: Zu aller erst geht es um die Frage, worauf die Kompetenz eines Rhapsoden eigentlich beruhe. Was also, so fragt Sokrates, befähigt einen Rhapsoden wie Ion, die großen Dichtungen wie die eines Homer oder eines Hesiod glaubhaft zu rezitieren und zu interpretieren?
Schnell stellt sich in der leichtfüßig dahingehenden Unterhaltung heraus, dass Ion nur auf die Epen Homers spezialisiert ist, er also nicht über ein allgemein dichtungsbezogenes Wissen verfügt. Und auch über anderes Fachwissen im eigentlichen Sinne verfügt er nicht. Und so führt Sokrates in seiner unnachahmlich ironischen Art und Weise der Gesprächsführung dem Rhapsoden vor, was er so gern seinen Gesprächspartnern vorführt, nämlich dass sie von dem, worüber sie reden, eigentlich nichts wissen.
Mit dem "Ion" legt der Hörbuchsprecher Volker Braumann nunmehr Teil 23 seiner Hörbuchreihe "Platon Sämtliche Dialoge" vor. Zur Einordnung des Dialogs wie zur Einführung in den heute weitestgehend verschwundenen Beruf des Rhapsoden sind dem kleinen Dialog zwei Essays beigegeben. In dem ersten Essay gibt der Philologe Helmut Flashar eine profunde Einführung in den Dialog. Im zweiten Essay beleuchtet der Musikwissenschaftler Walter Salmen die Entwicklungsgeschichte des Berufsstandes des Rhapsoden von dessen Anfängen im antiken Griechenland bis ins 20. Jahrhundert.