Krieg und Frieden sind die zentralen Themen im Leben von Wieland Giebel. Er selbst wurde als Kriegsdienstverweigerer anerkannt und half danach anderen, die Gewissensprüfung vor dem vierköpfigen Ausschuss zu bestehen. 1970 wählte ihn der Verband der Kriegsdienstverweigerer in den Bundesvorstand. Mit 21 Jahren wurde er dessen Bundesgeschäftsführer. Der Verband hatte damals 10. 000 Mitglieder in zehn Gruppen. Er schied aus, als moskauhörige-Kräfte der DKP den Verband unterwanderten und übernahmen. Seine erste Nacht in einem Bunker verbrachte er am 19. Mai 1973. Er demonstrierte in Dortmund gegen den Besuch des-sowjetischen Parteichefs Leonid Breschnew. Die Polizei nahm ihn mit Hunderten anderen fest, behandelte ihn erkennungsdienstlich und sperrte ihn-einen Tag und eine Nacht ein. Gründe für die Demo gab es genug: den Volksaufstand in der DDR 1953, den ungarischen Aufstand 1956, den Mauerbau 1961, den Prager Frühling 1968 alle mit-sowjetischen Panzern niedergeschlagen, überall Tote. Gegen den Vietnamkrieg demonstrierte er ebenso oft festgenommen wurde er dabei nie. Nach der Nelkenrevolution 1974 organisierte er mit zwei portugiesischen Soldaten, die daran teilgenommen hatten, eine Rundreise durch 50 deutsche Garnisonsstädte: Wie macht man als Soldat eigentlich eine Revolution? Der Militärische Abschirmdienst fuhr mit gut so, denn ob der VW-Bus, gekauft für 800 Mark, die Tour überstehen würde, war fraglich. Es folgten ähnliche Touren durch Deutschland mit irischen Freiheitskämpfern, ausgehend von einem Belfast-Aufenthalt 1975. Ein Jahr später erschoss ein britischer Soldat den 13-jährigen Brian-Stewart mit einem Plastikgeschoss, als der sich an einer Bude Süßigkeiten kaufen wollte. Giebel kannte ihn aus der eigenen Jugendarbeit in Belfast. Sein Buch darüber, "Das kurze Leben des Brian Stewart", erschien im Elefanten Press Verlag. Ruanda konfrontierte ihn mit der grausamsten Seite von Konflikten. In den 1980er Jahren arbeitete er dort in einem Gesundheitszentrum im Rahmen von sechs Jahren Entwicklungszusammenarbeit mit der evangelischen Kirche. Fast alle, die damals mit ihm arbeiteten, wurden 1994 im Genozid erschlagen oder verbrannt. Nur eine Kollegin überlebte, die er noch als 19-Jährige gekannt hatte jetzt versteckte sie sich mit ihren beiden Kindern in einem Erdloch. Bei einem gemeinsamen Besuch der Massengräber 2023 erzählte sie ihm: "63. 000 aus unserem Gebiet wurden erschlagen." Bei Reisen nach Kurdistan im Nordirak Anfang der 2000er- Jahre gehörte ein bewaffneter Bodyguard noch zur Grundausstattung. Nach der Abwehr des IS-Angriffs 2014 ist die autonome Region-heute sicher und wohlhabend. Mit Russlands Überfall auf die Ukraine kehrte der Krieg in sein Leben zurück. Der zerstörte russische Panzer vor der russischen Botschaft Unter den Linden 2023 war das äußere Symbol. Die-vielen-Toten und der Kampf um Unabhängigkeit und Freiheit schufen eine enge Verbindung zu den Menschen dort. Giebel war inzwischen zwölf Mal während des Krieges in der Ukraine. Vielleicht nach diesem etwas einseitigen Lebenslauf doch noch eine "Leistungsbilanz": Giebel hat 1971 den Verlag Elefanten Press-gegründet und 2005 den Berlin Story Verlag, in dem bisher rund 300 Titel erschienen sind. Er ist Autor und Herausgeber von mehr als 70 Büchern, Filmen und Karten. Mehrere davon wurden in bis zu zehn Sprachen übersetzt und erreichten bis zu 29, jeweils aktualisierte, Auflagen.