In Zeiten des Corona-Lockdowns in Kanada verbringen zwei Familien in zwei Häusern am Fullerton-See nahe Montreal mehrere Monate, vor strengen staatlichen Maßnahmen fliehend. mit fünf Kindern zwischen 3 und 9 Jahren, in engen Räumen, in fast unberührter Natur, mit Unterrichtung in Eigenregie. Wie lockere Tagebucheinträge der Ich-Erzählerin Anaïs reihen sich Erinnerungen aus ihrer Kindheit an Episoden der Gegenwart lose und wirr aneinander. Informativ sind dabei auch Beiträge zu internationalen Berühmtheiten, aber mehr noch zu Historie, Fauna, Flora dieser Gegend. Ohne Internet, dafür mit interessanten Anwohnern im Tal beschenkt lebt das Buch von persönlichen Schilderungen in liebevollem, poetischem Schreibstil. Die Erzählerin erlebt man als Mutter, Liebende und Künstlerin, angefüllt von Erschöpfung, Überforderung in Enge, Chaos und existenzieller Verunsicherung in diesem Zufluchtsort. Neben der Hingabe zu ihren Kindern und ihrem Ehemann verspürt man auch ihren Wunsch nach Ungebundenheit, denke man nur an den japanischen Maler oder den rätselhaften Waldmenschen. Mit dem zufällig gefundenen Grabstein von Jeanne dArc Morency (J.A.M.) und der vorbei schwebenden weißen Frau treten traumhafte Elemente ins Blickfeld. Auch wenn die Struktur weniger der eines Romans entspricht, die Kapitel thematisch bunt angesiedelt sind, versprüht das Buch eine reizvolle, ansprechende Atmosphäre beim Lesen. 3,5*