Berührend, klug erzählt und mit einer Familiengeschichte, die mich bis zum Schluss gefesselt hat
Zuerst hat mich einfach nur das Cover angesprochen. Ich finde es unglaublich schön. Der Klappentext hat dann gezeigt, dass das genau ein Buch für mich sein könnte. Zum Glück hat sich das auch bestätigt.Ebby reist nach Frankreich, um Abstand zu gewinnen von einer Vergangenheit, die sie bis heute nicht loslässt: vom ungeklärten Mord an ihrem Bruder, von der geplatzten Hochzeit und von den Erwartungen ihrer Familie. Doch statt eines Neuanfangs begegnet sie dort ausgerechnet ihrem Ex-Verlobten Henry und seiner neuen Partnerin. Und plötzlich lässt sich das Vergangene doch nicht mehr so einfach verdrängen. Auf der Suche nach Antworten rückt schließlich ein alter Krug in den Mittelpunkt, ein Familienerbstück, das seit Generationen weitergegeben wird und dessen Geschichte eng mit Ebbys Vorfahren verbunden ist.Was diesen Roman für mich so besonders gemacht hat, war der Aufbau. Wir begleiten Ebby in der Gegenwart, reisen mit ihr aber immer wieder zurück, sowohl in ihre eigene Vergangenheit als auch viele Generationen weiter. Dabei lernen wir ihre Vorfahren kennen, die als versklavte Menschen arbeiten mussten. Besonders die Geschichte von Moses und Willis und die Entstehung des Kruges haben mich sehr berührt.Unter ihm verbirgt sich eine Inschrift, die zu einer Zeit entstand, in der versklavten Menschen das Lesen und Schreiben verboten war. Was dort geschrieben steht, erfährt man erst ganz am Ende. Nachdem man all diese Geschichten gelesen hat, bekommt dieser Satz noch einmal ein ganz anderes Gewicht und berührt sehr.Richtig gut gefallen hat mir auch, dass wir die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven erleben. Natürlich steht Ebby im Mittelpunkt, aber wir bekommen auch Einblicke in Henrys Gedanken, lernen Avery kennen, seine neue Partnerin, erfahren mehr über Ebbys Eltern, ihre ehemalige Nachbarin und einige weitere Figuren. Das klingt nach vielen Stimmen, war für mich aber überhaupt nicht verwirrend, im Gegenteil. Es hat die Geschichte lebendig gemacht und dafür gesorgt, dass ich viele Figuren besser verstehen konnte.Ebby selbst mochte ich unglaublich gern. Ich habe sie gerne begleitet und fand es beeindruckend, wie sie trotz all der Schicksalsschläge versucht, ihren eigenen Weg zu finden und sich ihrer Vergangenheit zu stellen.Der Schreibstil hat mir ebenfalls richtig gut gefallen. Die Kapitel sind angenehm kurz, sodass ich immer noch eins lesen wollte. Gleichzeitig steckt in der Geschichte unglaublich viel. Während man wissen möchte, wie alles zusammenhängt, erfährt man ganz nebenbei viel über die amerikanische Geschichte, über Sklaverei, Rassismus und darüber, wie Erlebnisse über Generationen hinweg nachwirken können.Für mich war "Der Fall Ebby Freeman" ein berührender Roman über Verlust, Familie, Herkunft, transgenerationale Traumata und die Frage, wie sehr die Vergangenheit unser Leben prägt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht mein letztes Buch der Autorin gewesen ist.