Elena Fischer: Wirf einen Schatten
Ein Roman vom Diogenes Verlag, der grundsätzliche Fragen nach den eigenen Lebensentwürfe in bildgewaltiger Sprache aufwirft!
Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will.
Worum gehts?
Joseph ist lebensmüde. Wir lernen zu Beginn des Romans einen melancholischen Mann kennen, der von seiner Frau verlassen worden ist. Er trank seinen Kaffee in kleinen schlucken, heiß, stark, schwarz und ohne Zucker, als wäre er eine Strafe Gottes.
Lis, ursprünglich aus der Stadt, hat das Leben auf dem einsamen Berghof, mit dem etwas stoffeligen Joseph, der keinen emotionalen Zugang zu seiner Frau oder zu sich selbst findet und ihr auch mit dem Schreikind Samuel keine große Hilfe zu sein scheint, nicht mehr ausgehalten (Bäuerin ist man, das wird man doch nicht). Sie verlässt ihn mit ihrem Sohn, obwohl das in den sechziger Jahren nicht selbstverständlich ist. Joseph bleibt allein zurück, denn seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen.
Lesen kann die Nacht in uns vertreiben.
Doch eines Tages kommt die völlig geschwächte Birdie hereingeschneit. Er muss sich um sie kümmern, was ihm sichtlich unangenehm ist, ihn aber von seinem Trübsinn durch tiefgründige Gespräche ablenkt. Er schafft es, das fast volljährige Mädchen (in den Sechzigern ist man erst mit 21 volljährig) wieder aufzupäppeln. Schnell stellt er fest, dass auch sie ihre Geheimnisse und Schuld mit sich herum trägt, seiner Vergangenheit gar nicht so , und sich unbedingt ein unabhängiges, freies Leben aufbauen will.
Aber was soll das sein, ein eigenes Leben, dachte er. Lebte man nicht immer für etwas oder jemanden? Für die Natur, für Gott, für die Familie? Birdie weiß, dass sie etwas tun muss, denn wie konnte es sein, dass alles, was für die anderen richtig war, sich für sie falsch anfühlte?
Hier spielt auch Ada eine Rolle, Lis Schwester, für die Joseph schon immer eine zarte Zuneigung empfunden hat.
In diesem Roman geht es um Licht und Schatten, um Trauer und Verbundenheit, um Verpflichtung und Selbstaufgabe. In kraftvoller Sprache werden tiefe Fragen des Lebens erörtert, was mir eine große Freude bereitet hat.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!