Wow, was für eine Familiengeschichte!
Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht so richtig, was mich bei diesem Buch erwartet. Ein Thriller? Ein Familiendrama? Irgendwie ist es von allem etwas und gleichzeitig doch etwas ganz anderes.
Im Mittelpunkt stehen drei Brüder, die von klein auf um die Liebe und Anerkennung ihrer Mutter kämpfen. Und was daraus im Laufe der Jahre entsteht, ist wirklich erschreckend.
Liz Nugent zeigt auf unglaublich eindringliche Weise, wie Neid, Eifersucht, Zurückweisung und alte Verletzungen Menschen prägen können. Wie sich kleine Gemeinheiten über Jahre hinweg aufschaukeln und irgendwann Ausmaße annehmen, bei denen man einfach nur noch fassungslos ist.
Das Besondere an diesem Buch ist für mich, dass es gar nicht unbedingt die großen, spektakulären Ereignisse braucht. Vieles beginnt ganz unscheinbar und entwickelt sich nach und nach zu etwas wirklich Abgründigem. Und genau das macht die Geschichte so beklemmend.
Ich fand es unglaublich spannend, hinter die Fassaden der einzelnen Figuren zu schauen. Wirklich sympathisch war mir dabei kaum jemand, aber gerade das hat für mich den Reiz ausgemacht. Man möchte immer weiter hinterfragen, verstehen und herausfinden, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Emotional hat mich die Geschichte zwar nicht unbedingt berührt, aber ich glaube, das war auch gar nicht ihre Stärke. Vielmehr hat sie mich auf einer psychologischen Ebene fasziniert und immer wieder sprachlos gemacht.
Und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, wie tief die menschlichen Abgründe tatsächlich reichen.
Für mich definitiv kein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein unglaublich gut erzähltes Psychogramm einer völlig kaputten Familie.
Ein Buch, das auf eine ganz eigene Art unter die Haut geht und das ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann!