Worum gehts?
Sallys Adoptivvater hat immer gesagt, wenn er einmal stirbt, soll sie ihn wie Müll verbrennen. Nach seinem Tod nimmt Sally ihn beim Wort und versucht, genau das in einer Tonne im Schuppen zu tun. Ein Fehler, der nicht nur Polizei und Medien auf die seltsame Frau aufmerksam macht. Plötzlich steht auch ihre Vergangenheit vor der Tür.
Meine Meinung:
Von Liz Nugents Roman Die seltsame Sally Diamond hatte ich schon so viel gehört, dass meine Erwartungen wirklich hoch waren. Und die wurden nicht nur erfüllt, sondern bei Weitem übertroffen. Denn: Was war das denn bitte? Ist das real? Fiktion? Der Schreibstil hat mich aus der Wirklichkeit gerissen, in das Buch hineingezogen und anschließend wieder ausgespuckt, als hätte man mich einmal durch die Mangel gedreht!
Sally mochte ich irgendwie sofort. Sie ist anders. Ihre Art zu denken, zu handeln und die Welt zu sehen, macht sie zu einer ganz besonderen Protagonistin. Auch die Menschen an ihrer Seite waren mir sympathisch und es hat unheimlich Spaß gemacht, sie alle kennenzulernen und Sallys Entwicklung zu begleiten. Dann ist da noch Peter. Aus seiner Sicht führen uns einzelne Kapitel immer wieder zurück in die Vergangenheit und nähern sich Stück für Stück der Gegenwart. Durch ihn erfahren wir nach und nach, was Sally und vor allem ihrer Mutter widerfahren ist.
Und das ist heftig. Fälle wie Natascha Kampusch, Elisabeth Fritzl oder Jaycee Lee Dugard zeigen, dass Gefangenschaft und jahrelanger Missbrauch leider nicht nur Stoff für Romane sind. Auch Sallys Mutter wurde Opfer eines solchen Verbrechens. Die Einblicke in ihre Gefangenschaft waren erschreckend und teilweise nur schwer auszuhalten. Doch auch das, was wir später aus Peters Perspektive erfahren, hat mich immer wieder sprachlos gemacht. Ich sage nur: Lindy!
Und Sally selbst? Auch ihr Leben war alles andere als einfach. Manipulation, Tablettenmissbrauch, Isolation und Kontrolle haben sie geprägt. Umso schöner war es zu sehen, wie sie langsam beginnt, sich der Welt zu öffnen und zumindest für eine Weile aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen. Ihre ganz eigene Art, ihr Denken, ihr Wesen man möchte sie irgendwann einfach nur noch vor sich selbst und der Welt beschützen.
Dieses Meisterwerk hat mich emotional gepackt, geschüttelt, herumgeschleudert und am Ende ziemlich sprachlos ausgespuckt. Ein eindrucksvolles, verstörendes und gleichzeitig berührendes Buch, das nachdenklich macht. Eine Geschichte, die man nicht einfach nur liest, sondern die einen noch lange beschäftigt. Die tief unter die Haut und mitten hinein ins Herz geht.
Fazit:
Die seltsame Sally Diamond von Liz Nugent ist eines dieser Bücher, bei denen ich nach der letzten Seite erst einmal dasitzen und verdauen musste. Verstörend, erschreckend, berührend und gleichzeitig voller besonderer Momente. Sally ist eine Protagonistin, die man so schnell nicht vergisst, und ihre Geschichte hat mich stärker getroffen, als ich erwartet hätte. Ein Buch, das mich komplett durch die Mangel gedreht hat und definitiv noch lange in meinem Kopf bleiben wird.
5 seltsame Sterne von mir.