Wenn du mich heute wieder fragen würdest ist eines dieser Bücher, bei denen mir nach langer Zeit gar nicht mehr jede einzelne Handlung im Kopf geblieben ist dafür aber das Gefühl, das es bei mir hinterlassen hat.
Im Mittelpunkt stehen Kate und Peter, deren Familien miteinander verbunden sind und deren Leben durch eine schreckliche Situation völlig aus der Bahn geworfen werden. Was zunächst wie eine Liebesgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einer viel größeren Familiengeschichte über Schuld, Verletzungen, psychische Erkrankungen, Vergebung und die Frage, wie sehr wir von den Entscheidungen unserer Eltern geprägt werden.
Besonders mochte ich, dass Mary Beth Keane ihre Figuren nicht einfach in gut und böse einteilt. Jeder trägt sein eigenes Päckchen mit sich herum und macht Fehler, manchmal sehr große. Trotzdem oder gerade deshalb konnte ich viele der Figuren verstehen und mit ihnen mitfühlen. Die Geschichte zeigt sehr schön, dass Menschen gleichzeitig verletzen und selbst verletzt sein können und dass Vergebung nicht bedeutet, das Geschehene einfach ungeschehen zu machen.
Die Handlung wird über viele Jahre erzählt, sodass man Kate und Peter und auch ihre Familien über verschiedene Lebensphasen hinweg begleitet. Dadurch bekommt die Geschichte etwas sehr Familiäres und Lebensnahes. Es geht weniger um große dramatische Wendungen als darum, wie sich Erlebnisse aus der Vergangenheit auf ein ganzes Leben auswirken können.
Was mir besonders geblieben ist, ist Mary Beth Keanes ruhige und einfühlsame Art zu erzählen. Obwohl die Geschichte teilweise wirklich schwere Themen behandelt, liest sie sich nicht übertrieben dramatisch, sondern eher leise und nachdenklich.
Ich weiß noch, dass ich das Buch damals beendet habe und direkt das Gefühl hatte, auch die anderen Bücher der Autorin lesen zu wollen und das sagt eigentlich schon ziemlich viel.
Eine berührende Familiengeschichte über Liebe, Schuld und Vergebung, die bei mir vor allem wegen ihrer Figuren hängen geblieben ist.