Ganz oben in den Chefetagen weht bekanntlich ein ziemlich eigener Wind. Da fliegen Begriffe wie agil, proaktiv und skalierbar durch die Luft, während irgendwo jemand versucht, mit möglichst gerader Krawatte nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Genau in diese Welt wirft Martin Suter einen Blick und macht daraus ein ziemlich unterhaltsames Gedankenspiel.
Können Sie mich sehen? ist kein klassischer Roman, sondern eher eine Sammlung pointierter Beobachtungen über die Welt der Manager. Diese kleine Parallelwelt, in der Meetings länger dauern als so mancher Kinofilm und in der ein falsches Wort schon reichen kann, um vom Olymp der Entscheidungsträger direkt in die Bedeutungslosigkeit zu purzeln. Während man liest, nickt man öfter mal grinsend vor sich hin, weil vieles erstaunlich vertraut wirkt.
Besonders charmant ist, wie Suter diese Businesssprache aufs Korn nimmt. Da wird analysiert, optimiert und transformiert, bis man sich irgendwann fragt, ob eigentlich noch jemand weiß, worum es ursprünglich ging. Gleichzeitig schwingt immer ein leiser Humor mit, der nie laut wird, aber genau deshalb so gut funktioniert.
Auch die Veränderungen in der Arbeitswelt spielen eine Rolle. Homeoffice, neue Dynamiken, mehr Frauen in Führungspositionen. Plötzlich wackeln alte Gewissheiten und manche der Herren in den oberen Etagen wirken ein bisschen wie Leute, die ihr Navigationsgerät verloren haben.
Beim Lesen hatte ich öfter dieses Gefühl von stillem Schmunzeln. Kein lautes Gelächter, eher dieses angenehme Grinsen, wenn jemand die Dinge auf den Punkt bringt. Suter beobachtet scharf, schreibt elegant und trifft mit vielen kleinen Szenen erstaunlich genau ins Schwarze.
Am Ende bleibt ein Buch, das man schnell durchliest, das aber trotzdem nachhallt. Weil es mit viel Witz zeigt, wie absurd manche Mechaniken der Arbeitswelt eigentlich sind. Und weil man sich beim Zuklappen denkt: Tja, so weit weg von der Realität ist das alles wahrscheinlich gar nicht.