Heft lautet der Originaltitel des Romans von Liz Moore, der, bereits 2012 veröffentlicht, jetzt im Deutschen erschienen ist. Gewicht. Und irgendwie finde ich, dass dieser noch besser den Kern der Story trifft. Denn es ist nicht allein das körperliche Gewicht, das einem Menschen zur Last werden kann. Manchmal hat die Seele ebenso schwer an Gewicht zu tragen.
Arthur Opp ist ehemaliger Literaturprofessor und hat seit über 10 Jahren nicht mehr sein Grundstück verlassen. Denn Arthur wiegt 250 kg und sein Leben spielt sich in der Eintönigkeit des Erdgeschosses seines Hauses in Brooklyn ab. Die Einsamkeit versucht er, durch eine gewisse Routine in seinem Alltag aufzufangen, die aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass da wenig anderes ist. - Charlene ist eine ehemalige Studentin Arthurs, die ihn nun in einem Brief um seine Hilfe bittet, nicht für sich selbst, sondern für ihren Sohn Kel, der mit seinen 17 Jahren eigentlich für das College lernen müsste. Eigentlich. Denn Kel ist viel beschäftigter damit, sich um seine Mutter zu kümmern.
Und so sorgt dieser Brief dafür, dass sich in Arthurs Leben etwas in Gang setzt, eine zarte und noch zögerliche Dynamik, in der sich der Mann nach und nach wieder dem Leben öffnet. In der die junge Yolanda ihm allmählich einen Hauch von Ordnung in den Alltag bringt. Und in dem diese vier Menschen sich innerlich mit ihrer seelischen Last auseinandersetzen und sich einander Halt und Zuversicht spenden. Vom Leben und Schicksal gezeichnet rücken unsere Protagonisten so in einer Art verzweifelter Hoffnung aufeinander zu.
Liz Moores Roman ist wahrlich berührend und hochemotional, was insbesondere an den vielschichtigen und sehr herzlich geschilderten Figuren liegt. Jeder Charakter trägt eine Verletzlichkeit und Einsamkeit in sich, die tief berühren und die Moore mit viel Feingefühl und Empathie beschreibt. Eine eindringliche Story über die Kraft des Verzeihens, die Zuversicht des Vertrauens und den Mut, sich seinen Ängsten zu stellen.