Wolfgang Grupp ist ein Unternehmer der anständigen, klaren, ehrlichen Art. Er packt dort zu, wo andere zu lange theoretisieren, er schafft und erhält Arbeitsplätze mit Ideen, Ausdauer und kreativem Herangehen.
Ich denke immer simpel, ich habe nie einen Professor oder einen Unternehmensberater gefragt, sondern immer instinktiv entschieden. So untermauert Wolfang Grupp seine Entscheidung vom Lieferanten für Aldi zum eigenen Händler zu werden. Dass er seine Läden spartanisch hält, mir persönlich hat das nie gefallen, aber es scheint erfolgreich. 40% des Umsatzes stammen aus diesen Geschäften, weitere 40% aus den eigenen Online Shops und Plattformen wie Amazon, Ebay oder Otto. 20% sind Kunden aller Art, bspw. Unternehmen, die Shirts mit Firmenlogos bestellen.
Dass er die Politiker-Haftung fordert, wer könnte dem nicht folgen? Warum er Kretschmann bzw. die Grünen vor einiger Zeit empfohlen hat? Schwer verständlich, aber wer ist schon frei von Fehlern? Sein Denken ist auf dem Punkt der Dinge, so z.B. Im Hinblick auf Frauen Quoten: Um die Frauen wird einfach zu viel Theater gemacht.
Wolfgang Grupp hat sich selbst zur Marke entwickelt, alles aus seinem Leben hatte einen Zusammenhang mit seinen Produkten. Werbung machte er konsequenterweise selbst und sein Affe war/ist das große Kontra gegen einen eleganten, klugen, gut aussehenden Mann. Kein Agentur hätte ihm dazu geraten, trotzdem zieht er es durch. Ob es ihm irgendwas bringt? Werbung kann nicht gemessen werden, man muss an sie glauben. Wolfgang Grupp ist seine eigene Werbung, überall, wo er auftritt, zieht er sie durch. Ein Mann, seine Worte und seine Erfolge.
Er steht für eine Haltung, die heute selten geworden ist: Verantwortung nicht delegieren, sondern tragen. Grupp hat nie den einfachen Weg gesucht, weder in der Produktion noch im Auftreten. Während andere auslagerten und Kosten optimierten, blieb er bewusst in Deutschland aus Überzeugung, nicht aus Kalkül. Das wirkt aus der Zeit gefallen, aber genau darin liegt seine Stärke: Verlässlichkeit als Geschäftsmodell. Und heute, mit den zu kontrollierenden Lieferketten, ist es modern.
Grupp argumentiert nicht im Modus der Opportunität, sondern aus Prinzipien heraus. Das macht ihn glaubwürdig. Man weiß bei ihm, woran man ist eine Qualität, die in Politik und Wirtschaft gleichermaßen selten geworden ist. Seine Forderung nach Haftung ist letztlich nichts anderes als der Wunsch nach Ernsthaftigkeit im Handeln.
Die Biografie zeigt dabei nicht nur den Unternehmer, sondern auch den Menschen hinter der Rolle. Es wird deutlich, dass dieser Weg kein Selbstläufer war, sondern das Ergebnis harter Entscheidungen und innerer Disziplin. Grupp ist keiner, der gefallen will und genau deshalb bleibt er im Gedächtnis. Seine Klarheit ist manchmal unbequem, aber sie hat Substanz.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Unternehmers, der mehr ist als nur ein Firmenchef. Grupp verkörpert eine Idee von Wirtschaft, die nicht auf kurzfristige Effekte zielt, sondern auf Bestand. In einer Zeit, in der vieles beliebig geworden ist, wirkt das fast altmodisch und gerade deshalb bemerkenswert.
Ich habe in diesem höchst spannenden Buch viele Dinge neu erfahren, auch Widersprüche und Missklänge, aber genau das beabsichtigt der Unternehmer aus Burladingen. Das Buch vermittelt Diskussionen beim Mittagessen, die Aussagen des Vaters vor der Veröffentlichung prüfen und freigeben.
Dass er oft vom sog. Weibergeschacher redet, war mir noch nicht aufgefallen. Er adressierte damit vor allem Merkel, von der Leyen oder Kramp-Karrenbauer - im Grunde eine volkstümliche Kritik an Frauen-Quoten und ihren dysfunktionalen Wirkungen. Tatsächlich arbeiten bei Trigema mehr weibliche Führungskräfte als männliche. Der Patriarch provoziert gerne öffentlich und setzt diese Maßnahme gezielt ein, um Aufmerksamkeit zu bekommen, ein Rhetoriker von größtem Rang.
"Das Schönste im Leben ist, gebraucht zu werden. Diese Aussage von Wolfang Grupp trifft seinen inneren Antrieb und umschreibt so seine Depressionen, die schließlich zum Suizid Versuch führten: Es ist der Höhepunkt dieses Buches, in dem Wolfang Grupp wieder zurück kehrt zur Bühne seines Lebens: ein öffentliches Leben mit dem Drang, im Mittelpunkt zu stehen. Aber eben auch immer, hart zu arbeiten, klare Meinungen zu haben und kreativ zu sein bis in alle Details.
Seinen eigenen Grabstein mit dem Namen drauf zu sehen, man könnte es als stoische Maßnahme interpretieren: Memento mori. Bedenke, dass Du sterben wirst. Es bringt Wolfgang Grupp täglich zurück, ganz im Jetzt zu leben und Dinge voranzutreiben, statt zu viel Theorie zu salbadern. Politiker und sonstige Profiteure umschreibt er gerne mit dem Plural eines gut bekannten, schwäbischen Wortes: es sind für ihn Lumpen, denen man auf die Finger hauen muss, zumindest verbal.
Dabei galt für Wolfgang Grupp immer die gedankliche, die unternehmerische Unabhängigkeit: Wer die Verantwortung trägt, darf sie nicht auf andere abschieben weder auf den Staat noch auf Berater. Am Ende zählt nur, was man selbst entscheidet und verantwortet.