Peter Wohlleben schafft es mit seinem neuen Buch erneut ein wissenschaftliches Thema so spannend und verständlich aufzubereiten, dass man beim Lesen ständig denkt: Warum wusste ich das eigentlich noch nicht? Und genau das mag ich an seinen Büchern so gerne.
Viele kennen ihn wahrscheinlich durch Das geheime Leben der Bäume, und auch hier merkt man sofort seinen typischen Stil. Komplexe biologische Zusammenhänge werden anschaulich, alltagsnah und fast schon erzählerisch erklärt. Dabei wirkt das Buch nie trocken oder wie ein klassisches Sachbuch voller Fachbegriffe, sondern eher wie eine spannende Entdeckungsreise in eine Welt, die uns ständig umgibt, die wir aber kaum wahrnehmen.
Besonders faszinierend fand ich, wie umfassend gezeigt wird, welchen Einfluss Bakterien tatsächlich auf unser Leben haben. Vor dem Lesen verbindet man mit Bakterien oft erstmal Krankheiten oder Hygiene. Das Buch zeigt aber sehr eindrucksvoll, wie unglaublich wichtig sie für Menschen, Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme sind. Ob Verdauung, Stimmung, Hormone, Immunsystem oder sogar Klima und Wetter. Man merkt beim Lesen immer mehr, wie eng alles miteinander verbunden ist.
Was mir besonders gefallen hat, war die Art, wie Wohlleben wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten und oftmals alltagsnahen Beispielen verbindet. Dadurch bleiben viele Inhalte wirklich hängen. Zum Beispiel die Zusammenhänge zwischen Darmbakterien und psychischem Wohlbefinden oder wie Mikroorganismen Böden fruchtbar machen und ganze Wälder beeinflussen. Auch den anderen Haushaltstipp erhält man geschickt verpackt. Diese Verknüpfung zwischen Mensch und Natur zieht sich durch das ganze Buch und macht es so interessant.
Trotz der vielen Informationen bleibt das Buch erstaunlich leicht lesbar. Natürlich kommen auch Fachbegriffe vor, aber sie werden verständlich erklärt und nie unnötig kompliziert dargestellt. Selbst wenn man biologisch nicht besonders vorgebildet ist, kann man problemlos folgen.
Sehr gelungen finde ich außerdem den Ton des Buches. Der Autor schreibt engagiert und mit echter Begeisterung für die Natur, ohne dabei belehrend zu wirken. Man spürt einfach, dass ihm das Thema wichtig ist. Gleichzeitig regt das Buch auch zum Nachdenken an. Zum Beispiel darüber, wie sehr der Mensch versucht, alles zu kontrollieren und dabei oft vergisst, wie abhängig wir eigentlich von diesen winzigen Organismen sind.
Ich hatte beim Lesen mehrfach das Gefühl, die Welt danach ein kleines bisschen anders zu sehen. Gerade alltägliche Dinge wie Ernährung, Gartenarbeit, Antibiotika oder sogar Spaziergänge im Wald betrachtet man plötzlich bewusster.
Auch strukturell hat mir das Buch gut gefallen. Die Kapitel sind angenehm aufgebaut und nicht zu lang, sodass man immer wieder gut weiterlesen kann. Inhaltlich wird es nie oberflächlich, aber auch nicht unnötig akademisch. Das ist meiner Meinung nach genau die Stärke von Peter Wohlleben.
Dieses Buch schafft etwas, was gute Sachbücher nur selten schaffen: Es vermittelt Wissen, ohne anstrengend zu sein. Man lernt unglaublich viel, fühlt sich dabei aber eher neugierig als überfordert. Dazu kommt, dass das Thema hochaktuell ist und viele Bereiche unseres Lebens betrifft. Für mich ist das eines dieser Bücher, bei denen man nach dem Lesen ständig anfängt, anderen davon zu erzählen.
Wer sich für Natur, den menschlichen Körper, Umwelt oder allgemein spannende Wissenschaft interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Und selbst Menschen, die normalerweise keine Sachbücher mögen, könnten hier überrascht werden.