Ein kluges, präzise formuliertes Buch, das politische Begriffe entwirrt und verständlich macht. Es zeigt, wie stark Sprache den öffentlichen Diskurs prägt und wie wichtig es ist, genauer hinzusehen. Dieses Wörterbuch wurde von unterschiedlichen Autoren verfasst, die linkes Denken vom Kopf auf die Füße stellen wollen und damit eine Rückeroberung sachlicher Diskursfähigkeit anstreben.
Die Argumentation ist klar, zugespitzt und gut nachvollziehbar. Statt Ideologie liefert das Buch Analyse, oft mit feiner Ironie und überraschender Leichtigkeit. Auffällig ist dabei auch, dass ein Großteil der Kritik am Buch weniger mit konkreten Gegenargumenten arbeitet als mit pauschalen Urteilen ein Umstand, der eher für die Stärke als für die Schwäche der vorgelegten Thesen spricht.
Besonders erhellend ist die Nähe zu Klemperers Einsicht aus der Lingua Tertii Imperii: Sprache wirkt nicht nur beschreibend, sondern formend. Genau hier setzt das Buch an. Es zeigt, wie auch heute durch die ständige Wiederholung einfacher, emotional aufgeladener Begriffe ein bestimmtes Denken verankert wird und wie komplexe Sachverhalte dabei oft in klare Freund-Feind-Schemata überführt werden. Begriffe, die zunächst harmlos erscheinen, entfalten so eine lenkende Wirkung.
Interessant ist die Betrachtung des Begriffs Experten, wie sie im Buch ab Seite 39 von Harald Martenstein skizziert wird. Der Begriff erscheint nicht mehr als nüchterne Beschreibung von Fachkenntnis, sondern als gesellschaftliches Etikett, das Autorität verleiht und zugleich Kritik erschwert. Wer als Experte gilt, spricht mit einem Vorschuss an Glaubwürdigkeit unabhängig davon, wie belastbar seine Aussagen im Einzelfall sind. Diese Verschiebung zeigt, wie sehr auch scheinbar neutrale Begriffe Teil von Deutungskämpfen geworden sind. Problematisch wird es dort, wo der Begriff den Anspruch auf unmissverständliche Wahrheit transportiert. Treffend formulierte es Bertrand Russell: Die Dummen sind sich so sicher, und die Klugen sind voller Zweifel.
Eine sehr gelungene, anregende Lektüre, die zum eigenen Denken einlädt und lange nachwirkt.