Ein eher leiser Roman mit einer tollen Figurenentwicklung und Atmosphäre.
Die Hochzeit von Gails Tochter Debbie steht kurz bevor, als plötzlich ihr Ex-Mann Max vor der Tür steht. Im Schlepptau hat er eine Katze, die dafür sorgt, dass er - anders als geplant - nicht bei seiner Tochter übernachten kann. Kenneth, Debbies zukünftiger Mann ist nämlich allergisch. Und so zieht Max für drei Tage im Juni bei seiner Exfrau ein. Diese ist alles andere als begeistert, denn neben den Hochzeitsvorbereitungen schwirren ihr noch andere Probleme durch den Kopf. Gail hat gerade erst erfahren, dass sie nicht wie erhofft zur Schuldirektorin befördert wird. Wegen ihrer mangelhaften Sozialkompetenz wurde jemand Externes für den Posten vorgeschlagen. Die zukünftige Schuldirektorin möchte auch noch ihre eigene Stellvertreterin mitnehmen und so wird Gail mehr oder weniger vor die Tür gesetzt. Wie bereits der Titel suggeriert, spielt die Geschichte an drei aneinander folgenden Tagen. Obwohl der Roman nur 240 Seiten hat, versteht es Anne Tyler auf diesen eher wenigen Seiten eine Handlung mit viel Tiefe zu erzählen. Es gleicht ein bisschen einem Kammerspiel.Im Klappentext sind Gail und Max Ende fünfzig, im Buch jedoch 62 und 65 Jahre alt. Wie sich das ehemalige Ehepaar zurückerinnert oder wie sie sich bei der Hochzeit schlagen, die größtenteils von Kenneth Familie organisiert wird, wird humorvoll erzählt. Man erlebt nicht nur die gemeinsamen Feierlichkeiten mit, sondern erhält nach und nach auch einen tieferen Einblick in das Leben von Gail, Max und Debbie. Stück für Stücki wird deutlich, weshalb die Ehe der beiden letztlich gescheitert ist. Die Autorin lässt uns dabei hinter Gails Fassade blicken. Max und Gail sind so unterschiedlich, dass man sich fragt, was die beiden zusammengeführt hat. Gail liebt ihren Job, ist jedoch eher kühl, vorausplanend und distanziert. Sie macht sich Sorgen über alles Mögliche und zerdenkt sehr viel. Max ist eher chaotisch, gutgläubig und nimmt das Leben, wie es kommt. Dabei plant er nicht, sondern macht sich nicht wirklich Gedanken.Obwohl der rote Faden der Handlung die Hochzeit von Debbie und Kenneth ist, sind die Hauptpersonen der Handlung Gail und Max. Man spürt, dass die alten Gefühle noch vorhanden sind, sie aber viele Eigenheiten des anderen nerven. Anne Tylers Figurenentwicklung ist absolut gelungen. Die Geschichte ist leicht melancholisch, besitzt aber auch einem Hauch feiner Ironie. Es geht aber auch um Betrug, Verzeihen und das Leben selbst.Der Roman setzt weniger auf dramatische Höhepunkte, als auf die glaubwürdige Entwicklung seiner Figuren. Es ist eine leise Geschichte, eine fast alltägliche, die jedoch ein gutes Gefühl hinterlässt.Das Ende fand ich gelungen. Ob die Geschichte jedoch lange im Gedächtnis bleibt, wage ich zu bezweifeln. Fazit:Ein eher leises Buch mit einer tollen Figurenentwicklung und Atmosphäre. Direkt aus dem Leben und mit einer feiner Prise Humor.