Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und auch nach dem Ende noch nachhallt
Man merkt gleich, dass das Buch emotional und tiefgründig wird. Die Thematik ist ziemlich schwer. Es bewegt einen, weil man genau weiß, dass es da draußen so viele Menschen gibt, die ohne zu zögern das Angebot annehmen würden, die Erinnerungen an ihre Sexualität zu löschen, um nicht mehr queer zu sein und dadurch denkt man automatisch an die Gründe dafür. Dem Hass, der Diskriminierung, der Ausgrenzung und der Gewalt, denen sie ausgesetzt sind. Und das wird in diesem Buch sehr gut thematisiert. Aaron trifft es in seinem Umfeld besonders hart, ich denke, dass viele sich in ihm und seiner Situation widergespiegelt sehen. Eine wichtige Repräsentation.Seine Geschichte ist bewegend, die Wendungen fesselnd und man wünscht ihm so sehr ein Happy End. Es ist teilweise nicht leicht, seine Geschichte zu verfolgen, doch es ist absolut realitätsnah und ungeschönt. Schmerzhaft, aber dadurch eindrücklich.Man merkt aber sehr deutlich, dass es sich hier um ein Debät handelt. Schriftstellerisch gesehen ist definitiv noch Luft nach oben. Einige Gespräche sind fast schon unangenehm zu lesen, so sehr wurde versucht, sie möglichst jugendlich klingen zu lassen und ein "no homo" mehr hätte ich wahrscheinlich auch nicht ertragen. Es hat definitiv seine Schwächen in der Wahl der Sprache und der Ausarbeitung der Charaktere, aber Adam Silvera sagt selbst, dass er einige Dinge heute nicht mehr so schreiben würde. Am Ende ist es ein Debüt und ein so tiefgründiges, vielschichtiges Debüt muss man erst mal schreiben. Und es ist ein Jugendbuch, da dürfen die Charaktere auch man kindisch sein und nicht immer rational denken.Ich bin sehr froh, die Version mit dem extra Kapitel gelesen zu haben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Ende der Originalversion einen tiefen Eindruck hinterlassen hat und wahrscheinlich dafür gesorgt hat, dass es noch länger im Kopf geblieben ist, mir wäre es aber dann doch zu traurig gewesen und so hatte ich nichts dagegen, dass es dann doch noch etwas weiterging. Auf jeden Fall eine gute Ergänzung, die das Buch für mich abgerundet hat.Ein Buch, das einem wirklich nahegeht und dem man die Schwächen im Schreibstil gerne verzeiht. Ein wichtiges Buch, das die Last, die auf der queeren Community liegt, eindrucksvoll und auf kreative Weise veranschaulicht.