Schönes Märchen für Erwachsene
Aber sonst? Man muss sich schon darauf einlassen (können), um die zumindest in Teilen vorhandene Tiefe der Geschichte ausloten und emotional begleiten zu können. Für die Rationalisten unter uns gibt es dagegen wenig Anklänge, die den Verstand zum Glühen bringen könnten. Auch wenn man gelegentlich mit ein paar klugen Sätzen belohnt wird, wie zum Beispiel dem folgenden: "Trauer ist Liebe, die kein Zuhause mehr hat." Oder: "Gerechtigkeit ist nur einer der Versuche des Menschen, sich der Natur zu widersetzen." Auch wenn Letzterer aus der Feder des Marquis von Sade stammt.Natürlich gibt es berührende Momente, fast zwangsläufig, wenn ein 17-jähriges Mädchen aus Zaire (zur erzählten Zeit, 1991, Demokratische Republik Kongo), Belgierin, jetzt in Frankreich wohnend, bei einem Schüleraustauschprogramm mit einem 13-Jährigen aus Deutschland zusammentrifft. Allerdings ist das Hören von Stimmen Verstorbener, die jeweils noch einen Wunsch äußeren, der dann auch irgendwie eingelöst wird, doch ein wenig, ja sagen wir es mal wohlwollend: gewöhnungsbedürftig. Aber spätestens, wenn die Frage nach Engeln auftaucht, taucht der eine oder andere Leser ab. Wie gesagt: Man muss sich darauf einlassen können.