Eigentlich vermeide ich die amerikanische Sicht auf ihre eigenen Kriege - sei es die Sicht aus Büchern und Filmen auf echte oder fiktive Kriege. Überall wehen dann stets drölftausend amerikanische Flaggen und alles ist so heroisch. Ich war in Vietnam und dort sogar im Kriegsmuseum in Ho-Chi-Minh. Dort sieht man, was Menschen Menschen antun können und es wird einem bewusst, dass es Gräuel gibt, die man nicht mal seinem schlimmsten Feind wünscht. Aus diesen Gründen war ich neugierig aber auch skeptisch, als ich "Die Frauen jenseits des Flusses" verschenkt und anschließend selbst gelesen habe. Allerdings muss ich gestehen: ich habe das Buch verschlungen. Es ist toll formuliert, ein emotionaler Pageturner und so erschreckend nahgehend, dass ich mich kaum lösen konnte. Obwohl mir die Sicht auf und von den Vietnamesen gefehlt hat- denn letztendlich darf man niemals vergessen, wie sehr diese Menschen gelitten haben und noch immer unter ihren Erinnerungen leiden! - kann ich dieses Buch von Herzen empfehlen. Es ist vielleicht eine Beziehung zu viel, zu amerikanisch oder auch zu emotional aber seien wir mal ehrlich: nur Wenige können nachempfinden, wie es ist, in solch einer Situation zu sein und zwei Jahre lang an einer Front und in einem Krankenhaus zu überleben. Die Freundschaft, die entstanden ist, bewegt mich am meisten, das Trauma, mit dem Frankie kämpft, macht mich traurig und die fehlende Anerkennung für die Leistungen von Frauen machen mich wütend. Es ist ein Buch, das sicherlich nicht jedem gefällt aber ich persönlich finde es gelungen.