Manchmal liegt da ein Buch vor einem und man denkt: Ach komm, Vietnamkrieg, Krankenschwester, große Gefühle, das wird bestimmt heftig. Und dann liest man los und merkt ziemlich schnell: Heftig war noch untertrieben. Dieses Buch nimmt einen nicht freundlich an die Hand, es packt einen eher am Kragen und sagt: Komm mit, hier wird nicht weggeschaut.
Frances McGrath, oder Frankie, startet als junge Frau, die eigentlich genau den Weg gehen soll, den andere für sie vorgesehen haben. Nett sein, heiraten, lächeln, bloß nicht zu laut werden. Tja, Pech gehabt. Frankie zieht nach Vietnam und wird dort nicht nur Krankenschwester, sondern Überlebende, Zeugin und Heldin in einer Welt, die Frauen später am liebsten aus der Geschichte radiert hätte.
Kristin Hannah schreibt das so bildgewaltig, dass man beim Lesen manchmal kurz schlucken muss. Der Krieg ist grausam, dreckig, laut und völlig ohne romantischen Filter. Gleichzeitig geht es aber nicht nur um Bomben, Blut und Chaos, sondern um Freundschaft, Mut, Schuld, Trauma und dieses bittere Gefühl, nach Hause zu kommen und trotzdem keinen Platz mehr zu haben.
Besonders stark ist für mich der Teil nach Vietnam. Da tut das Buch fast noch mehr weh, weil Frankie plötzlich gegen etwas kämpft, das man nicht verbinden oder wegoperieren kann. Schweigen, Ablehnung, kaputte Erinnerungen. Und ja, manchmal ist das Ganze sehr dramatisch. Kristin Hannah drückt emotional schon ordentlich aufs Gaspedal. Aber ganz ehrlich: Bei diesem Thema darf es auch wehtun.
Die Frauen jenseits des Flusses ist kein gemütlicher Roman für nebenbei. Es ist ein Buch, das hängen bleibt, wütend macht, berührt und Frauen sichtbar macht, die viel zu lange übersehen wurden. Großes Gefühlskino mit Dreck unter den Fingernägeln und Herzklopfen im Bauch.