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Produktbild: Die Rückseite des Lebens | Yasmina Reza
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Die Rückseite des Lebens

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Buch (gebunden)
24,00 €inkl. Mwst.
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Nur Yasmina Reza schreibt so lakonisch und klug über die Kippmomente der ExistenzSeit Jahren beobachtet Yasmina Reza Strafprozesse. Es sind Geschichten, die man mit angehaltenem Atem liest. Ein Mann ermordet die vierköpfige Familie seines Schwagers und legt die Leichenteile seiner Frau zu Füßen. Eine Frau klagt wegen Vergewaltigung und schreibt dem Täter danach glühende Liebesbriefe. Lakonisch und beinahe zärtlich porträtiert Reza die Menschen. Es geht nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um den Moment, in dem ein Leben aus der Normalität kippt. Ebenso knapp und eindrucksvoll erzählt sie von persönlichen Begegnungen mit guten Freunden oder in der Familie. Reza zeigt "die Rückseite des Lebens, in seiner Unvollkommenheit, aber auch Heiterkeit". Ein Meisterwerk voller Tragik, Komik und Empathie.

Produktdetails

Erscheinungsdatum
18. März 2025
Sprache
deutsch
Untertitel
Originaltitel: Récits de certains faits. Empfohlen Ab 16 Jahre.
Seitenanzahl
200
Altersempfehlung
Ab 16 Jahre
Autor/Autorin
Yasmina Reza
Übersetzung
Claudia Hamm
Verlag/Hersteller
Originalsprache
französisch
Produktart
gebunden
Gewicht
320 g
Größe (L/B/H)
203/128/23 mm
ISBN
9783446282759

Portrait

Yasmina Reza

Yasmina Reza, 1959 geboren, ist Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin und die meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin. Bei Hanser erschienen u. a. »Glücklich die Glücklichen« (Roman, 2014), »Babylon« (Roman, 2017), für den sie mit dem Prix Renaudot 2016 ausgezeichnet wurde, »Kunst« (Schauspiel, 2018), »Der Gott des Gemetzels« (Schauspiel, 2018), »Bella Figura« (Schauspiel, 2019), »Drei Mal Leben« (Schauspiel, 2019), »Anne-Marie die Schönheit« (2019), »Serge« (Roman, 2022) und »James Brown trug Lockenwickler« (Schauspiel, 2023). Für ihr Werk wurde sie zuletzt mit dem Jonathan-Swift-Preis 2020, dem Premio Malaparte 2021, dem Prix de l'Académie de Berlin 2022 und dem Prix Mondial Cino del Duca 2024 ausgezeichnet. Das Theaterstück Der Gott des Gemetzels wurde 2011 sehr erfolgreich von Roman Polanski verfilmt, hochkarätig besetzt mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly.

Pressestimmen

»Yasmina Reza schaut den finsteren Dingen zu und schreibt unheimlich kluge Texte darüber Der Rückseite des Lebens setzt die virtuose Autorin alles entgegen, was der Mensch an Aufmerksamkeit und Reflexionsniveau zu bieten hat. « Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 24. 03. 25

»Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Reza zu den großen Autorinnen der Gegenwart gehört, dann hat sie ihn mit diesem Buch erbracht. « Martina Meister, Welt am Sonntag, 23. 03. 25

»Bekenntnisse der Göttin des Gemetzels Ein Kabinett des Schreckens mit intimen Einblicken. « Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. 03. 25

»In dieser umwerfend tragischen, umwerfend bitter-komischen Sammlung höchst unterschiedlicher Alltagsskizzen zeigt sich die Schriftstellerin auf der absoluten Höhe ihrer literarischen Kunst. « Dirk Fuhrig, Deutschlandfunk Kultur, 21. 03. 25

»Yasmina Reza zeigt sich als Meisterin der Miniatur. Ihre Geschichten und Gerichtsprotokolle sind kondensierte Lebensläufe, entkernt, auf das Wesentliche beschränkt, oft mit einer Schlusspointe versehen. Wer wissen will, wie Menschen ticken und auf verhängnisvolle Weise austicken, muss Die Rückseite des Lebens lesen. « Franziska Wolffheim, Tagesspiegel, 21. 03. 25

»Ein Blick ins Kaleidoskop Mensch. « Michael Wurmitzer, Der Standard, 18. 03. 25

Besprechung vom 22.03.2025

Bekenntnisse der Göttin des Gemetzels

Yasmina Reza saß jahrelang in Gerichtsprozessen. Ihr neues Buch ist ein Kabinett des Schreckens mit intimen Einblicken.

Von Sandra Kegel

Von Sandra Kegel

Récits de certains faits" heißt Yasmina Rezas neues Buch im Original. Das trifft den Ton dieser Prosa ganz gut: Knapp, trocken, ohne Umschweife und Schnörkel versammelt die französische Autorin Momentaufnahmen aus verschiedenen Gerichtsverhandlungen, die sie in den letzten Jahren besucht hat. Dass der deutsche Titel die programmatische Nüchternheit zu "Die Rückseite des Lebens" erhöht, zeugt von überflüssigem Misstrauen. Denn der Schrecken dieser Szenarien ist auch ohne Leseanleitung atemberaubend und stellt sich mit jeder einzelnen Szene aufs Neue ein. Und: Was Yasmina Reza zeigt, ist mehr als die Rückseite des Lebens, es ist der reinste Horror, das ganze Elend des Daseins, dessen brutalster Vollstrecker die Zeit ist und wie sie vergeht.

Manche der Angeklagten kennen wir, weil sie durch ihre Verbrechen berühmt wurden; andere sind unbekannt. Da steht wegen Vergewaltigung der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan vor Gericht wie auch der Fernsehmoderator Jean-Marc Morandini oder wegen Korruption der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, dessen Wahlkampf Yasmina Reza seinerzeit bereits ein Buch widmete. Daneben erleben wir Mütter, die ihre Kinder getötet haben, wie Fabienne Kabou, die ihre Tochter an einem Strand zurückließ, damit sie von der Flut weggespült wird. Wir sehen Jonathann Daval, der seine Frau ermordete und im französischen Fernsehen wochenlang als vermeintlich trauernder Witwer weinte, bis man ihn schließlich überführte. Da ist der freundliche Herr, der ältere Damen umsorgt und dann vergiftet, um an ihr Geld zu kommen, und vor Gericht alles abstreitet. Ein anderer hat die Familienmitglieder seiner Frau zerstückelt und kann nicht sagen, warum.

Die Schauergeschichten zeichnet Reza ein ums andere Mal mit kühler Feder. Ihr Personal ist durchweg real, und sie verfasst auch keine Gerichtsreportagen, juristischen Kommentare oder Prozessprotokolle, sondern reiht Episoden aneinander, die fragmentarisch bleiben, manchmal auf scheinbar nebensächliche Details fokussiert sind und vom eigenwilligen Blick der Autorin leben.

Unterbrochen werden diese Skizzen von biographischen Einsprengseln, in denen Reza uns nach Venedig mitnimmt in ihre Wohnung, Erinnerungen an Freunde wie Luc Bondy oder Imre Kertész teilt oder von ihrer dreijährigen Enkelin erzählt, die nicht einschlafen kann, als sie bei der Oma übernachtet. Dass wir Reza in solch intimen Momenten erleben, ist erstaunlich, denn sie gilt als extrem scheu, gibt nur selten Interviews und exponiert sich als Person nicht gerne.

Hier nun ist sie in Nahaufnahme zu erleben, und das nicht nur, wenn sie ihre Begeisterung für die amerikanische Fotografin Diane Arbus preisgibt, sondern mehr noch in so beklemmenden Geständnissen wie ihrem Umgang mit Frau Kling. Als Jugendliche hatte Reza ihre Lehrerin in der Schule derart schikaniert, dass diese eines Tages den Klassenraum verließ und für immer vom Gymnasium verschwand. Frau Kling habe sie nie vergessen, schließt Reza dieses unrühmliche Kapitel.

"Die Rückseite des Lebens" hat die Autorin zwei Gerichtsreportern gewidmet: Pascale Robert-Diard von "Le Monde" und Stéphane Durand-Souffland vom "Figaro". Dass nicht nur Journalisten, sondern auch Schriftsteller in der Justiz immer wieder Erzählstoff finden, ist literarische Praxis seit der Antike - und kürzlich erst haben der französische Romancier Emmanuel Carrère mit seinem Buch "V13" über den Bataclan-Prozess oder Kathrin Röggla mit "Laufendes Verfahren" über den NSU-Prozess in München das Genre aufs Neue bedient.

Anders als diese Bücher, die einen einzigen Prozess in der Tiefe auszuloten versuchen, ist Rezas Erzählprojekt horizontal angelegt und multiperspektivisch, verteilt auf 54 Texte. Das enthebt sie einerseits von der Pflicht, jeweils das große Ganze eines Falles in den Blick zu nehmen. Diese literarische Freiheit wird den Texten mitunter zum Verhängnis, wenn das Lächerliche in rezatypischer Manier derart pointiert dem Tragischen beigemischt wird, dass am Ende alles mit allem zusammenhängt und die Ausgänge im Ungefähren bleiben. Andere Texte entfalten dafür Spannung, wenn das Ungesagte aus den Ritzen der Gedankensplitter mit Wucht an die Oberfläche drängt.

In ihrem Elend stehen die Miniaturen auch für sich, wenn wir etwa Jonathann Daval zuhören, wie er vor Gericht erklärt, dass er seine Frau wegen eines Streits ermordet habe, ihn das aber nicht mehr interessiere und er zur Klärung auch nichts beitragen könne. Seine trauernden Schwiegereltern hatten ihn einst behandelt wie einen eigenen Sohn.

Dass wir von den monströsen Szenen auf der Gerichtsbühne ansatzlos ins beschauliche Venedig geworfen werden, ist eine Art Rezas, alles mit allem zu verknüpfen: Es gibt demnach keine Taten ohne Kontext, ohne Biographien, ohne das Leben an sich. So visualisiert Reza die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Die Alltagsszenen aus ihrem Leben haben angesichts des Grauens aber auch ein entlastendes Moment, gerade wenn sie in Venedig die Wolken, das Licht der Dämmerung oder die Melancholie beschreibt.

Reza erinnert sich nicht nur an enge Freunde, mit denen sie durchs Leben ging, sondern auch an Menschen, die sie nur ein- oder zweimal getroffen hat. Da ist die Freundin im fortgeschrittenen Alter, die küssende Paare nicht mehr ertragen kann. Da ist der junge Mann am Lido, den Reza nicht anspricht, sich aber sein gesamtes Leben ausmalt. Das Durcheinander der Welt spiegelt sie in einem Tisch einer Altenheimbewohnerin, auf dem sich ein Chaos aus Fotos, Püppchen, Flaschen, Büchern und Schachteln ausbreitet und Reza darin "Schönheit und Originalität" entdeckt.

Ähnlich wie die Literatur, die die Welt anhand von Einzelschicksalen begreifen will, ist für Reza der Gerichtssaal ein Ort, der das Individuum anhand von Indizien, Zeugen und Berichten in den Blick nimmt. Vom Singulären ausgehend, drängt es die Autorin dabei immer aufs Neue in die Ambivalenz, wenn sie den brutalen Taten auch das Komische, Absurde und Irrationale entlockt. Manchmal - diese Freiheit nimmt sie sich - ist sie von Opfern regelrecht genervt, hat ein Nachsehen mit Tätern oder weist Richter und Staatsanwälte in deren Schranken, wenn sie vergeblich versuchen, einem Angeklagten ein Motiv zu entlocken.

All das ergibt ein Kabinett des Schreckens, aus dem Yasmina Reza im besten Fall so etwas wie eine universelle Wahrheit destilliert, die sich auch als Kommentar zur Theodizee lesen lässt. Warum also es das Böse und so viel Leid gibt in einer Welt mit einem Gott, der allwissend sein soll und gütig. Fünfundsechzig Jahre ist Yasmina Reza inzwischen alt, und sie hat mehr als zwanzig Bühnenwerke, Prosawerke und Drehbücher verfasst. Wie in ihren berühmtesten Theaterstücken, "Kunst" oder "Der Gott des Gemetzels", bietet sie auch in "Die Rückseite des Lebens" viel Komik, viel Einsamkeit, viele Missverständnisse und große Trauer. Doch dann verflüchtigen sich die Szenen nach vier oder zehn Buchseiten abrupt. Der Vorhang fällt - ohne Erklärung und ohne Moral. Der Rest ist an uns Lesern.

Yasmina Reza: "Die Rückseite des Lebens".

Aus dem Französischen von Claudia Hamm.

Carl Hanser Verlag,

München 2025.

200 S., geb.

Alle Rechte vorbehalten. © Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main.

Bewertungen

Durchschnitt
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LovelyBooks-BewertungVon Booklove91 am 29.07.2025
Meine Meinung"Die Rückseite des Lebens" ist kein klassischer Roman, eher eine Sammlung von Beobachtungen, Gedanken und Gerichtsreportagen. Einzelne schockierende Geschichten. Was mich von Anfang an gepackt hat, war die Art, wie Reza über Menschen schreibt. Sie schaut auf Momente, in denen etwas kippt, in denen Menschen plötzlich aus ihrem Leben fallen. Manche Geschichten gehen unter die Haut, weil sie so alltäglich anfangen und dann völlig aus dem Ruder laufen. Was mich besonders berührt hat, ist ihr Blick auf Menschen am Abgrund. Zum Beispiel eine Frau, die ihre Kinder vergiftet hat.  Auch die Berichte über bekannte Persönlichkeiten vor Gericht wie Sarkozy wirken weder sensationsgierig noch verurteilend, sondern folgen einer feinen Beobachtungsgabe.Die Sprache ist einfach, aber genau.Zwischen den einzelnen Fällen gibt es persönliche Gedanken und Erinnerungen der Autorin, was ich als positiv empfunden habe. Es lockert etwas auf und lässt die Geschichten besser verdauen. Insgesamt fühlt sich das Buch an wie ein Mosaik aus Momenten, in denen das Leben sich verändert oder zusammenbricht. Die Texte regen zum Nachdenken an über Schuld, Zufall und wie zerbrechlich das Leben sein kann. Für mich ist das ein sehr gelungenes Buch, das ruhig und ehrlich erzählt, ohne großes Drama, aber mit viel Tiefe.KlappentexSeit Jahren beobachtet Yasmina Reza Strafprozesse. Es sind Geschichten, die man mit angehaltenem Atem liest. Ein Mann ermordet die vierköpfige Familie seines Schwagers und legt die Leichenteile seiner Frau zu Füßen. Eine Frau klagt wegen Vergewaltigung und schreibt dem Täter danach glühende Liebesbriefe. Lakonisch und beinahe zärtlich porträtiert Reza die Menschen. Es geht nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um den Moment, in dem ein Leben aus der Normalität kippt. Ebenso knapp und eindrucksvoll erzählt sie von persönlichen Begegnungen mit guten Freunden oder in der Familie. Reza zeigt "die Rückseite des Lebens, in seiner Unvollkommenheit, aber auch Heiterkeit". Ein Meisterwerk voller Tragik, Komik und Empathie. tÜber die AutorinYasmina Reza wurde 1957 in Paris geboren. Ihre künstlerische Laufbahn begann sie als Schauspielerin, wurde aber vor allem als meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin, Regisseurin und Schriftstellerin bekannt. Ihr Theaterstück "Der Gott des Gemetzels" wurde 2011 von Roman Pola¿ski mit Jodie Foster, Kate Winslet und Christoph Waltz fürs Kino verfilmt. Mit dem Roman "Eine Verzweiflung" debütierte Yasmina Reza als Autorin. Inzwischen wurde eine ganze Reihe erfolgreicher Romane aus ihrer Feder veröffentlicht. Für ihren Roman "Babylon" wurde sie mit dem Prix Renaudot 2016 ausgezeichnet und ihre Theaterstücke wurden weltweit schon in über 30 Sprachen übersetzt.
LovelyBooks-BewertungVon JacqueRoe am 06.06.2025
Nach anfänglicher Irritation dann doch noch für ganz gut befunden.
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