Ein ganz außergewöhnliches Buch!
Wie ist es möglich, so einen Roman zu schreiben? Auch gut eine Woche nach Beendigung des Buches frage ich mich, wie es möglich ist, eine Geschichte zu schreiben, die hauptsächlich aus Emotionen besteht? Nun gut, auf 960 Seiten ist viel Platz, aber was dieser Roman im Leser bewirkt, ist nicht von dieser Welt.In der Geschichte geht es um vier Männer, die seit dem College eng befreundet sind. Alle vier sind so unterschiedlich und doch halten sie zusammen.Da ist JB. Er ist Künstler, schwierig, exzentrisch (und mir zunächst am unsympathischsten). Dann ist da Malcom: Architekt, strebsam, will ohne den Namen seines reichen Vaters Erfolg haben. Der dritte ist Willem. Schauspieler, lebenswürdig, sehr verlässlich; ein Freund den man sich wünscht.Und dann ist da Jude. Jude ist ein erfolgreicher Anwalt, hilfsbereit, gut aussehender Mann. Dieser hat jedoch eine so traumatisierende Kindheit erlebt, die für uns Leser unvorstellbar ist und ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist: Ein gebrochener Mensch, der sich selbst als Monster sieht und nicht glauben und gar nicht annehmen kann, wenn Menschen ihm gut wollen. Er ist der Meinung, es nicht verdient zu haben.Jude zieht, ohne dass es das möchte, alle mit in sein tiefes Loch; auch den Leser. Ein Loch aus Traumata, Verlust, Selbsthass und Selbstverletzung.Die einzelnen Personen sind sehr fein herausgearbeitet, so dass man jedem sehr nahe kommt. Besonders Jude möchte man die Hand reichen, ihm helfen, ihn schütteln und ihm eine Schulte geben. Es zerreißt einem das Herz, dass er sein Leben, welches er sich aus eigenen Kräften erarbeitet hat, nicht annehmen und nicht lieben kann. Stattdessen ist es seine Burg mit dicken Mauern, die ihm nach außen "normal" erscheinen lassen. Das ist sein Ziel. Ich weiß nicht, wie ich meine Emotionen beim Lesen in Worte fassen kann. Es ist das außergewöhnlichste Buch, dass ich je gelesen habe. Es ist toll, aber kann oder darf man das toll nennen? Ich habe eine Überschrift einer Rezension gesehen, die ich recht passend fand: "Ergreifend, fesselnd, aufwühlend und doch so "schön"