blieb weit unter meinen Erwartungen
Es ist schon ein paar Tage her, dass ich das Buch beendet habe und ich musste das Ganze erst mal sacken lassen und mir überlegen, wie ich es bewerten möchte. Zugegeben, vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen, weil ich an sehr vielen Stellen Lobpreisungen für Eduard Louis gehört habe. Denen kann ich mich, nachdem ich lediglich dieses Buch gelesen habe, bisher nicht anschließen. Wir begleiten Eddy dabei, wie er in einer französischen Kleinstadt aufwächst, die davon geprägt ist, dass die Männer in der Fabrik arbeiten und viel Alkohol trinken und die Jungs versuchen "echte Männer" zu werden. Aber Eddy ist anders, er weiß es, seine Familie weiß es und auch die anderen Jungen in der Schule wissen es und quälen ihn deshalb. Wenn man es nicht durch das Buch wüsste könnte man auch denken, dass es einige Jahrzehnte früher spielt. Die Sprache ist sehr roh, direkt und unverblümt. Was mir allerdings sehr fehlt ist jegliche Art der Reflexion des eigenen Verhaltens und auch der Umstände. Vieles des Dargestellten ist mehr als fragwürdig und überschreitet verschiedene Grenzen. Es ist ein Abbild davon, wie sich Armut, Bildungsferne, Hass, Vorurteile und Sucht über Generationen weitergetragen wird und wie schwer es ist, diesen Teufelskreis zu durchbrechen bzw. überhaupt erstmal auf die Idee zu kommen dort raus zu wollen und wie man es bewältigen könnte. Insgesamt war es kein schlechtes Buch, aber mir hat so einiges gefehlt..