In Blut für Blut geht es um Sophie, die aus einer toxischen Beziehung flieht und sich ein neues Leben als Fotografin aufbauen möchte. Sie hat Glück und wird von einer wohlhabenden Familie für Familienporträts engagiert. Doch irgendetwas stimmt nicht: Sophie fühlt sich beobachtet und verfolgt, und auch die Familie verhält sich zunehmend merkwürdig. Es handelt sich hierbei um einen psychologischen Spannungsroman, der aus Sophies Perspektive erzählt wird und sich über zwei Zeitebenen erstreckt die Gegenwart und die Vergangenheit vor 20 Jahren.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und leicht zu lesen. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Die Geschichte hat mich so sehr in ihren Bann gezogen, dass das Buch für mich zu einem echten Pageturner wurde. Auch die kurzen Kapitel sorgen für einen angenehmen und schnellen Lesefluss. Die Atmosphäre wurde sehr gut beschrieben und vermittelt. Oft hatte ich ein beklemmendes Gefühl und die Stimmung war stellenweise düster. Man denkt ständig: Hier stimmt doch etwas nicht! Die psychologischen Aspekte sind eher subtil gehalten, bauen aber trotzdem sehr gut Spannung auf.
Die Charaktere fand ich größtenteils gut gestaltet. Die Protagonistin Sophie wirkt auf mich nahbar und aufgrund ihrer Vorgeschichte auch interessant. Allerdings erschien sie mir in manchen Situationen etwas naiv. Als Leser weiß man zudem teilweise nicht, wie man Sophie und ihre Wahrnehmung einschätzen soll was meiner Meinung nach aber gut zur Geschichte passt und den psychologischen Aspekt zusätzlich unterstützt. Dadurch konnte ich ihre Entscheidungen und Handlungen allerdings nicht immer vollständig nachvollziehen.
Ein großer Pluspunkt des Buches ist für mich die Spannung. Diese war von Anfang an greifbar. Bereits zu Beginn ist die Stimmung beklemmend, da Sophie aus einer toxischen Beziehung flieht und man nicht weiß, wie ihr Ex darauf reagieren wird. Im Laufe der Geschichte tauchen immer mehr Fragen und Ungereimtheiten auf, wodurch man unbedingt weiterlesen möchte.
Auch der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit hat mir gut gefallen. Dadurch erhält man immer wieder kleine Hinweise und beginnt automatisch, eigene Theorien darüber aufzustellen, was in der Vergangenheit passiert sein könnte. Das Pacing fand ich insgesamt gut gewählt. Zum Ende hin nimmt das Tempo natürlich noch einmal deutlich zu. Ich war so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die Spannung entsteht dabei weniger durch Schockmomente, sondern vielmehr durch die psychologische Komponente und die vielen offenen Fragen.
Während des Lesens stellt man einige Theorien auf. Tatsächlich hatte ich bereits eine Vermutung, wollte aber trotzdem unbedingt herausfinden, wie die einzelnen Puzzleteile zusammenpassen. Bei der Auflösung lag ich teilweise richtig, wurde durch den finalen Twist aber dennoch überrascht.
Mit der Auflösung bin ich allerdings nur teilweise zufrieden. Es bleiben für mich einige Andeutungen ungeklärt und auch mehrere Fragen unbeantwortet. Zudem wurde das Finale meiner Meinung nach etwas zu schnell abgehandelt. Nicht alle Entwicklungen waren für mich vollständig logisch nachvollziehbar.
Insgesamt war Blut für Blut für mich ein wirklich spannender Pageturner. Ich hatte viel Spaß beim Lesen und wurde sehr gut unterhalten, auch wenn die Auflösung für mich einige kleinere Schwächen hatte. Von mir gibt es daher eine klare Empfehlung für Fans von Thrillern und psychologischen Spannungsromanen.