Ein Thriller, der sich langsam und stetig entwickelt und zeigt, dass eine Story wirken kann, indem sie viel mit dem Gefühl von Machtlosigkeit und Angst spielt, ohne direkt zu brutal zu wirken.
Paula ist ein Charakter, der wirkt, als möchte sie sich um alles kümmern. Sie hat Job, Familie und eigentlich wenig Kontakt zu ihrer Schwester, wobei das Verhältnis früher auch besser zu dieser war. Sie lässt sich auf ein Abenteuer ein, das sie tiefer in das Seelenleben von ihr selbst als auch von ihrer Schwester blicken lässt, als ihr lieb ist.
Lea, ihre Schwester, wirkt phasenweise wie fremdgesteuert und doch hat sie ihren eigenen Willen, den sie aber nicht auszuleben weiß. Beide Schwestern offenbaren im Laufe der Handlung Stärken und Schwächen.
Das Setting im immer sonnigen Florida ist durch den sehr intensiven Schreibstil der Autorin eher düster gehalten. Mit kleinen, feinen Andeutungen und Ereignissen schafft es die Autorin, eine Atmosphäre der Beklemmung und Hoffnungslosigkeit zu kreieren, die das Lesererlebnis auf eine kleine Achterbahnfahrt der Gefühle schickt.
Ich wollte Lea öfters mal wachrütteln, konnte mich aber gut in ihre Situation hineindenken, auch wenn ich das Thema Tradwives bisher nur am Rande mitbekommen habe.
Die Story spielt mit den Ängsten, aber auch den emotionalen Grenzen von Gemeinschaften und Beziehungen. Sehr direkt und emotional ist der Schreibstil der Autorin. Mit teilweise kurzen, prägnanten Sätzen wirkt die Szenerie sehr greifbar und man taucht tief in die Geschichte ein.
Ich würde es fast als kleinen Psycho-Horror bezeichnen, ohne die krassen Horror-Elemente natürlich.
Das Ende war mir persönlich etwas zu abrupt, aber das ist nur eine kleine persönliche Anmerkung.
Was bleibt, ist ein Thriller, der mehr ist als ein Spannungsroman und der sich mit einem Thema auseinandersetzt, das viel größer ist, als es in der Öffentlichkeit oft wahrgenommen wird.