Ich mag das World Building und die Figuren von Lin und Kel. Jetzt sitze ich gespannt da, wohin die Reise der beiden geht.
Sword Catcher erinnert stellenweise an Romane von Terry Pratchett - nicht wegen Fantasy-Wesen wie Trollen, Zwergen und Hexen, sondern weil die fantastische Welt genügend Bezüge zur Realität aufweist, um Konflikte und Figuren glaubwürdig wirken zu lassen. Politik, Dekadenz, Intrigen und herausgeforderte Loyalitäten bilden ein dichtes Geflecht, das die Handlung trägt und ihr Gewicht verleiht. Besonders gelungen ist dabei das Spannungsverhältnis zwischen Anziehung und Abneigung, das sich durch die Beziehungen der Figuren zieht, allen voran zwischen Lin und Connor.Trotz der im Buch präsentierten Dekadenz empfinde ich es als angenehm, dass Clare auf überzeichnete oder explizit ausgeschmückte Sexszenen verzichtet. Die Ausschweifungen und auch allgemein die Liebesgeschichten bleiben atmosphärisch eingebettet und lenken nicht vom eigentlichen Kern der Geschichte ab - ein wohltuender Kontrast zu vielen aktuellen Genrevertretern (meine Meinung).Viel wichtiger ist dabei die Beziehung zwischen Connor und Kel. Kel, der Sword Catcher, erweist sich als eine der spannendsten Figuren, wohl auch weil er etwas durch die Story taumelt: Er gerät für mich nachvollziehbar zwischen die Anforderungen und Erwartungen, die auf ihm lasten, und steht damit exemplarisch für die vielen möglichen Wege, die die Geschichte einschlagen kann. Seine innere Zerrissenheit verleiht dem Roman zusätzliche Tiefe.Insgesamt ist Sword Catcher ein gelungener, dicht gewebter Auftakt. Der erste Teil bietet eine reiche Schatzkiste an Beziehungen, Erzählsträngen und starken Bildern und weckt große Neugier auf die Fortsetzung.Ich würde es als eine Reihe für Erwachsene empfehlen, die auf der Suche nach einer Fantasyreihe sind, der man gerne Zeit widmet. Durch das dichte World-Building und langsamen Aufbau der Charaktere, sollte auch ein bisschen Geduld da sein, dass die Story sich entwickelt :)