Wirklich ein Highlight!
Ich bin keine Gamerin, absolut nicht, und seit meiner Jugend habe ich kein Spiel mehr gespielt und selbst damals nur Tetris, Super Mario, ein Disney Spiel (Aladdin) und Donkey Kong. Daher war ich erst skeptisch in Bezug auf das Thema des Buches und ob es wirklich etwas für mich sein kann. Aber wow, was wurde ich überrascht und überwältigt. Sam und Sadie sind zwei Protagonisten, die mich absolut begeistert haben. Sie lernen sich als Kinder kennen, beenden recht dramatisch ihre Freundschaft und finden sich als junge Erwachsene wieder. Sadie ist Ende der 1990er Jahre eine der wenigen weiblichen Programmierinnen am MIT und Sam ist gelangweilt von seinem Mathematik Studium. Beide unfassbar intelligent und visionär, sind im Team aber noch um ein Vielfaches besser und so programmieren sie noch als Studenten ihr erstes gemeinsames Computerspiel, das ein riesiger Erfolg wird. Ergänzt wird ihre geniale Zusammenarbeit durch Marx, den charismatischen Mitbewohner Sams, der von Beginn an die beiden während ihrer kreativen Schaffensprozesse auf dem Boden hält und sich um alles kümmert, was man braucht, um zu überleben und schließlich mit den beiden gemeinsam die erfolgreiche Firma gründet, mit der sie weitere Spiele entwickeln werden. Der Roman erstreckt sich über mehrere Jahre, die ich, ungefähr im Alter von Sadie und Sam, auch erlebt habe - die frühen 2000er Jahre waren in vieler Hinsicht turbulent und voller technischer Entwicklungen, nicht nur - aber offensichtlich auch sehr - in der Gamingszene. Wie gesagt, obwohl ich keinen Bezug zu dieser Szene habe, hat mich das Buch über die ganze Länge von immerhin mehr als 550 Seiten kein bisschen gelangweilt. Im Gegenteil! Ich konnte es kaum aus der Hand legen und habe alle Figuren im Buch ins Herz geschlossen. Dass die Ideen zu erfolgreichen Computerspielen im Grunde wie die Ideen zu guten Filmen, Serien oder Büchern sein müssen, wurde mir auf einmal klar - und ich habe angefangen, diese Geschichten wirklich zu mögen. Aber hauptsächlich handelt das Buch natürlich von Menschen und ihren Gefühlen, von Trauer, von Schmerz, von Liebe, Tod und körperlichen Beeinträchtigungen. Auch Sexismus und Rassismus wird am Rande thematisiert und zwar so, wie auch ich es als junge Erwachsene wahrgenommen habe und wie Sadie das oft tut - mit dem Bewusstsein, dass es da ist und dem Versuch, es zu ignorieren und nicht an sich herankommen zu lassen. Ich habe mich den Figuren und ihren Gefühlen immer nahe gefühlt und war richtig traurig, als ich das Buch viel zu schnell beendet habe. Natürlich eine uneingeschränkte Leseempfehlung!